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Checkliste für die „Toolbox“

Mein Prüfungskoffer – die Arbeitsmittel vor der Prüfung zusammenstellen und ausprobieren
Ein Werkzeugkoffer, heute packen wir ihn eher im übertragenen Sinn.

Meinen Prüfungskoffer habe ich damals schon einige Wochen vor der EQE gepackt und bei den letzten Übungsklausuren benutzt. Dabei merkte ich recht schnell, was fehlte, wonach ich ständig suchen musste und was ich auch zu Hause hätte lassen können. Diesen Gedanken würde ich beibehalten, auch wenn der Koffer heute eher ein eingerichteter Arbeitsplatz ist.

Die Ausstattung hat sich allerdings ziemlich verändert. Schere und Klebestift hatten ihren Sinn, als wir Anspruchssätze noch auseinanderschnitten und neu zusammenklebten. Bei der heutigen Online-Prüfung hilft Dir eine vertraute Tastatur erheblich mehr. Zugleich sind Papierunterlagen keineswegs nutzlos geworden: Eine gut vorbereitete Übersicht, die Du mit einem Griff aufschlägst, kann immer noch schneller sein als eine Suche am Bildschirm.

Ich habe die Liste deshalb auf Dinge beschränkt, die Dir bei der Vorbereitung oder am Prüfungsplatz einen konkreten Handgriff erleichtern. Vieles wirst Du bereits besitzen. Die Kästchen kannst Du auf einem Ausdruck abhaken. Sie sind dafür gedacht, die vorhandene Ausstattung einmal durchzugehen und anschließend gezielt zu ergänzen, was Dir noch fehlt.

Werbung / Affiliate-Links. Als Amazon-Partner verdiene ich an qualifizierten Verkäufen. Wenn Du über einen der entsprechend gekennzeichneten Produktlinks einkaufst, unterstützt Du damit diese Seite. Die verlinkten Produkte sind Beispiele für die beschriebene Ausstattung; ich habe nicht jedes davon selbst ausprobiert.

Erst die Arbeitsweise, dann das Material

Bei Unterlagen würde ich mich zunächst für ein Grundsystem entscheiden. Wer gerne mit einer gebundenen Sammlung arbeitet, wird mit Ordnern und Registerblättern gut zurechtkommen. Wer seine Übungsaufgaben lieber lose nach Themen sortiert, kann stattdessen Hängemappen verwenden. Beides vollständig anzuschaffen, nur weil es in einer Checkliste steht, bringt Dir noch keine bessere Vorbereitung.

Wichtiger ist, dass Du die für Dich typischen Suchwege einübst. Meine Sammlung würde beispielsweise ein gut sichtbares Register „Fristen“ bekommen. Dahinter liegen eine kurze Berechnungsübersicht und die passenden Rechtsgrundlagen. Die vorbereiteten Formulierungen für häufige Fragen beschreibe ich im Beitrag über die „niedrig hängenden Früchte“. Gemeint sind damit Begründungsschritte, die immer wieder vorkommen und die man so gut vorbereiten kann, dass sie in der Prüfung wenig Zeit kosten.

Die Einkaufsliste für Deine Vorbereitung und Deinen Prüfungsplatz

Bestand Ausstattung Wobei sie Dir hilft
□ vorhanden
□ fehlt
Beschriftbare Haftstreifen bei Amazon (Affiliate-Link) Häufig benötigte Stellen in Gesetzestexten, Kommentaren und eigenen Unterlagen aufschlagen. Achte auf ausreichend Schreibfläche und darauf, dass die Register beim wiederholten Blättern halten.
□ vorhanden
□ fehlt
Ordner für Deine Unterlagen bei Amazon (Affiliate-Link) Eine überschaubare Sammlung eigener Unterlagen zusammenstellen. Wähle die Rückenbreite nach Deinem tatsächlichen Umfang; ein übervoller Ordner lässt sich schlecht benutzen.
□ vorhanden
□ fehlt
Trennstreifen zum Beschriften bei Amazon (Affiliate-Link) Die Sammlung nach Deinen Suchbegriffen gliedern, etwa „Fristen“, „Änderungen“ und „Erfinderische Tätigkeit“. Beschrifte die Trennstreifen so, dass Du Deine Themen beim Aufschlagen sofort wiederfindest; Format und Lochung müssen zum Ordner passen.
□ vorhanden
□ fehlt
Box für die Hängeregistratur bei Amazon (Affiliate-Link) Eine Alternative für lose Unterlagen und Übungsaufgaben während der Lernphase. Die Box muss zu den ausgewählten Hängemappen passen und gut erreichbar stehen.
□ vorhanden
□ fehlt
Hängetaschen für lose Übungsunterlagen bei Amazon (Affiliate-Link) Aufgabe, eigene Bearbeitung und Prüferbericht gemeinsam ablegen. Ein beschriftbarer Reiter hilft, die betreffende Aufgabe beim nächsten Durchgang wiederzufinden.
□ vorhanden
□ fehlt
STABILO BOSS, Viererset (7004-3) bei Amazon (Affiliate-Link) Für gedruckte Übungsaufgaben und eigene Unterlagen genügen zunächst drei gut unterscheidbare, helle Farben. Die markierten Wörter müssen lesbar bleiben. Das verlinkte Viererset enthält Gelb, Grün und Blau für den Dreifarbencode; Orange kannst Du dafür einfach beiseitelegen.
□ vorhanden
□ fehlt
Logitech K120 (USB, deutsches QWERTZ) bei Amazon (Affiliate-Link) Eine mögliche Ergänzung, wenn Du auf der vorhandenen Tastatur häufig daneben greifst oder längere Antworten unbequem werden. Tastenanordnung, Anschluss und Schreibgefühl sollten zu Dir und Deinem Rechner passen. Das Beispiel hat deutsches QWERTZ-Layout und benötigt USB-A.
□ vorhanden
□ fehlt
Logitech B100 (USB-Maus) bei Amazon (Affiliate-Link) Textstellen gezielt auswählen und längere Dokumente sicher durchgehen. Eine einfache, vertraute Maus genügt; besondere Zusatzfunktionen sind für diesen Zweck kein Kaufargument.
□ vorhanden
□ fehlt
KabelDirekt Cat 6, 5 m bei Amazon (Affiliate-Link)
Bei Bedarf: TP-Link UE300C (USB-C auf LAN) bei Amazon (Affiliate-Link)
Den Rechner direkt mit dem Router verbinden. Miss den Kabelweg vorher aus. Einen Adapter brauchst Du nur, wenn der Rechner keinen passenden Netzwerkanschluss hat; prüfe dann insbesondere den Anschluss am Rechner. Der verlinkte Adapter benötigt USB-C; für einen Rechner mit ausschließlich USB-A brauchst Du eine andere Ausführung.

Für kurze Notizen reichen daneben ein einfacher Papierblock und zwei vertraute Stifte, von denen einer die Reserve ist. Die besondere Stiftsammlung aus meiner damaligen Papierprüfung gehört für mich inzwischen eher zur Erinnerung als auf Deine Einkaufsliste.

Was gehört in die Lernphase, was an den Prüfungstag?

Die Hängemappen können während der Vorbereitung die gesamte Sammlung aufnehmen. Am Prüfungstag würde ich davon nur die Unterlagen griffbereit haben wollen, die ich auch tatsächlich benutze. Aufgaben, eigene Lösungen und Prüferberichte sind beim Nacharbeiten einer Klausur wertvoll. Wenn ich dagegen gerade eine Rechtsgrundlage suche, sollte ich mich nicht erst durch sämtliche Übungsaufgaben arbeiten müssen.

Auch die Textmarker haben weiterhin ihren Platz. Im Beitrag „Die Hinweise stehen schon im Text: Aufgabe A 2026 mit System lesen“ zeige ich an einem konkreten Beispiel, wie ich Hinweise auf den Auftrag, wesentliche Merkmale und mögliche Rückfallpositionen herausarbeiten würde. Das kannst Du mit einem Ausdruck gut einüben. Für die Prüfung selbst gehört anschließend ein Durchgang am Bildschirm dazu: Ab 2027 gibt es keine Vorabausdrucke der Prüfungsaufgaben mehr. Das hat das EPA in seinen Hinweisen zur Online-Prüfung angekündigt.

Bücher und eigene Papierunterlagen sind nach den derzeit veröffentlichten Bewerberanweisungen für 2026 vorgesehen. Sobald die vollständigen Anweisungen für 2027 vorliegen, gehören sie zu unserem letzten Abgleich des Prüfungsplatzes. Die jeweils einschlägigen Hinweise und die technischen Anforderungen findest Du gesammelt unter EQE Online.

Am Rechner würde ich gezielt nachbessern

Wenn Du mit Deiner vorhandenen Tastatur und Maus gut zurechtkommst, gibt es für die EQE keinen besonderen Grund, sie auszutauschen. Anders sieht es aus, wenn Dir bei einer längeren Übung ständig Eingabefehler passieren oder das Markieren mit dem Touchpad unnötig mühsam wird. Dann lohnt sich ein anderes Eingabegerät durchaus, allerdings früh genug, um damit vertraut zu werden. Ein paar Gedanken zur Eingabe findest Du unter 10-Finger-Schreiben.

Dasselbe gilt für den Bildschirm: Wenn Du auf einem kleinen Notebook ständig zwischen kaum lesbaren Ausschnitten hin- und herschiebst, lohnt sich ein Blick auf Deinen Arbeitsplatz. Ob ein anderer Bildschirm sinnvoll ist, hängt von der vorhandenen Ausstattung und der für Deine Prüfung zulässigen Konfiguration ab. Einen Monitor würde ich daher erst auswählen, wenn diese beiden Fragen geklärt sind.

Eine kabelgebundene Internetverbindung empfiehlt das EPA ausdrücklich. Hier ist ein ausreichend langes LAN-Kabel oft die einfachste Ergänzung. Die gesamte Kombination aus Rechner, Verbindung, Kamera, Mikrofon und Prüfungssoftware würde ich anschließend im offiziellen Test ausprobieren, und zwar am vorgesehenen Arbeitsplatz.

Der Probelauf zeigt, was wirklich fehlt

Vor der letzten vollständigen Probeprüfung würde ich mir zusätzlich drei kleine Aufgaben stellen: eine bestimmte Stelle in einer Anlage finden und sauber zitieren, einen längeren Anspruch ändern und danach eine unterbrochene Frage wieder aufnehmen. Dabei zeigt sich recht schnell, ob die Notizen zu umfangreich sind, ein Register fehlt oder ein sonst gewohnter Handgriff im Antworteditor anders funktioniert.

Eine knappe Notiz wie „Priorität geklärt; Wirkung der Zwischenveröffentlichung noch offen“ hilft beim Wiedereinstieg. Für Fundstellen genügen häufig Dokument, Absatz oder Seite und ein paar Stichworte. Wie ich das auf dem Tisch und am Bildschirm ordnen würde, habe ich in „Ordnung auf dem Tisch“ beschrieben. Die Ausstattung soll diese Arbeitsweise unterstützen. Ob das gelungen ist, merkst Du daran, wie schnell Du eine bereits verstandene Information wiederfindest.

Zum letzten Durchgang gehören natürlich auch die organisatorischen Dinge: Zugang und Identifikation, Prüfungstage und Uhrzeiten, der Kontakt zur Aufsicht sowie der getestete Ablauf der Abgabe. Dafür würde ich den Beitrag EQE Online noch einmal neben die aktuellen EPA-Anweisungen legen.

Text überarbeitet am 28. September 2026.



Detaillierter Ablauf von Teil B

Für den früheren Chemie-B-Teil hatte ich mir einen Ablauf erarbeitet, mit dem ich in der Prüfung gut zurechtkam. Den möchte ich Dir hier vorstellen und zugleich erklären, was ich für M3.2 daran ändern würde. Vor allem musst Du heute genauer auf die Verfahrenslage achten. Und mit 2 Stunden und 20 Minuten im Jahr 2027 hast Du auch weniger Zeit, Dich lange mit einem einzelnen Problem aufzuhalten.

Als erste zeitliche Orientierung würde ich nach ungefähr 60 Minuten einen fertiggestellten Anspruchssatz anstreben. Dann bleiben 65 Minuten für die ausformulierte Begründung und 15 Minuten für die Kontrolle. Die erste Analyse liefert natürlich bereits die Argumente für die spätere Begründung. Den vollständigen Vorschlag findest Du unter Bewertung und Zeiteinteilung für M3.2.

Auftrag und Verfahren zuerst

In der M3.2-Probeaufgabe liegt bereits eine Zurückweisung vor. Du bereitest deshalb eine Beschwerde vor und befasst Dich mit der Abhilfe. Ich würde mir den Verfahrensstand oben auf der Aufgabenübersicht notieren; dann passen die späteren Anträge und die Einleitung der Begründung gleich zusammen.

Daneben kommen das Ziel des Mandanten, ausdrücklich zu erhaltende Ausführungsformen und etwaige Fristen auf die Übersicht. Zusätzliche Fragen lassen sich dort ebenfalls sammeln. So habe ich beim Schreiben den ganzen Auftrag vor mir und muss ihn nicht noch einmal im Mandantenschreiben zusammensuchen.

Anmeldung und Einwände gezielt lesen

Verschaffe Dir zunächst einen Überblick über die Erfindung. Im zweiten Durchgang suchst Du die Informationen, die Du für die Einwände und mögliche Änderungen brauchst. Drei vollständige Lesedurchgänge würde ich heute nicht unabhängig von der Aufgabe fest einplanen.

Hilfreich sind Markierungen für notwendige Merkmale, bevorzugte Ausführungsformen, Wirkungen, Definitionen und auffällige Einschränkungen. Bei Versuchen gehören Messmethode, Vergleich und Ergebnis zusammen. Ein besonders guter Messwert trägt nur dann eine Argumentation, wenn Du erklären kannst, worauf er beruht.

Erstelle aus dem Bescheid oder der Entscheidung eine kurze Liste der relevanten Einwände. Dazu kommen die Fragen: Welche Ansprüche sind betroffen? Worauf stützt sich das Amt? Kann ich den Einwand begründet widerlegen oder brauche ich eine Änderung?

Die tatsächlichen Angaben der Aufgabe bilden die Grundlage. Bei den rechtlichen Schlussfolgerungen lohnt sich dagegen die eigene Prüfung. Gerade eine Beschwerde kann darauf aufbauen, dass das Amt einen Anspruch zu weit ausgelegt oder eine Fundstelle falsch verstanden hat. In der Antwort würde ich dann erst das Verständnis des Amts benennen und anschließend anhand der Unterlagen erklären, wo der Fehler liegt.

Den Anspruchssatz entwickeln

In der Merkmalstabelle führe ich Offenbarungsgrundlagen, Entgegenhaltungen und mögliche Einschränkungen zusammen. Bei einem vielversprechenden Merkmal notiere ich gleich, welchen Einwand es behebt und welche Ausführungsformen damit noch geschützt bleiben. So entwickelt sich aus der Analyse nach und nach der Anspruchssatz.

Prüfe jede Änderung nach Artikel 123 Absatz 2 EPÜ. Einzelne Merkmale aus verschiedenen Stellen zusammenzutragen genügt nicht, wenn ihre Kombination ursprünglich nicht offenbart war. Je nach Verfahrenslage ist zusätzlich Artikel 123 Absatz 3 relevant. Behalte außerdem Klarheit, Einheitlichkeit und den Auftrag im Blick.

Bei „oder“-Verknüpfungen würde ich die Alternativen einmal getrennt durchgehen. Wenn etwa A oder B beansprucht wird, kann die Begründung für A vollständig überzeugen, während B noch von D1 vorweggenommen wird. Diese kleine Gegenprobe hilft, einen unbemerkten schwachen Zweig aus dem Anspruch zu entfernen.

Änderungen begründen

Wenn der Anspruchssatz steht, würde ich die einzelnen Änderungen und anschließend die Patentfähigkeit in dem verlangten Schriftsatz begründen. Die passende Gliederung ergibt sich aus den Einwänden, die Du beim Lesen gesammelt hast. Eine Anpassung der Beschreibung kommt hinzu, wenn sie ausdrücklich zum Auftrag gehört.

Für jede Änderung nennst Du eine genaue Grundlage. Eine Formulierung kann etwa so beginnen:

Anspruch 1 beruht auf dem ursprünglichen Anspruch 1 in Verbindung mit Absatz […]. Dort sind die Merkmale […] gemeinsam als […] offenbart. Die aufgenommene Einschränkung […] ist deshalb in dieser Kombination unmittelbar und eindeutig ableitbar.

Der zweite Satz wird besonders wichtig, wenn die Änderung auf der Beschreibung oder einer Zeichnung beruht. Beim Beispiel einer Dichtung in einer Nut wäre zu erläutern, ob die Anmeldung die Dichtung als allgemein verwendbares Merkmal beschreibt oder nur gemeinsam mit der Nut offenbart. Die betreffende Textstelle trägt dann nicht nur das zusätzliche Merkmal, sondern auch die Entscheidung, welche Kombination in den Anspruch aufgenommen wird.

Solche wiederkehrenden Begründungsschritte lassen sich gut vorbereiten. Ich habe sie in meinen „niedrig hängenden Früchten“ gesammelt: Gemeint sind kurze Vorlagen, die Dir die Reihenfolge und die passenden Rechtsgrundlagen schon bereithalten. Bei einer Änderung bleiben beispielsweise eigene Felder für die Fundstelle des Merkmals und für die Offenbarung seiner Kombination. Dadurch erinnere ich mich beim Schreiben an beides und kann meine Aufmerksamkeit auf den konkreten Fall richten.

Kennzeichne Deine Änderungen so, wie es in der Aufgabe verlangt wird. Bei B 2026 reichte beispielsweise eine Fassung, in der die Änderungen ausreichend kenntlich gemacht waren; eine zusätzliche Reinschrift war nicht erforderlich. Diese doppelte Arbeit hätte ich mir dann auch gespart und die Zeit lieber für die Begründung verwendet.

Neuheit konkret begründen

Für die Neuheit würde ich den tragenden Unterschied zur jeweiligen Entgegenhaltung mit seiner Fundstelle herausarbeiten. In einem vereinfachten Beispiel mit einem Behälter und abnehmbarem Deckel könnte das lauten: „D1, Absatz [12] und Figur 2, zeigt einen Deckel ohne die in Anspruch 1 vorgesehene umlaufende Dichtung. Die beanspruchte Kombination ist dort somit nicht offenbart.“ Das liest sich knapp, führt den Leser aber direkt zur entscheidenden Stelle. An diesem erfundenen Beispiel lässt sich anschließend auch die Argumentation zur erfinderischen Tätigkeit zeigen.

Ich würde allerdings auch nicht jeden vermeintlichen Unterschied aufzählen, nur um auf der sicheren Seite zu sein. Im Prüferbericht zu B 2026 findest Du ein gutes Gegenbeispiel: Ein zusätzlich behaupteter Unterschied, den es tatsächlich nicht gab, konnte Dir Punkte kosten. Prüfe also lieber den Unterschied, auf den Du Deine Argumentation stützen willst, noch einmal genau.

Bei abhängigen Ansprüchen kannst Du auf die Merkmale des übergeordneten Anspruchs zurückgreifen, soweit der Rückbezug diese tatsächlich einschließt. Bei einer anderen Anspruchskategorie musst Du deren Gegenstand eigenständig betrachten; die Patentfähigkeit einer Zusammensetzung macht nicht automatisch jede irgendwie damit verbundene Verwendung patentfähig.

Der Aufgabe-Lösungs-Ansatz: vom Unterschied zur Begründung

Der Aufgabe-Lösungs-Ansatz (Problem-Solution Approach, PSA) gibt der Argumentation eine Reihenfolge. Für mich ist er vor allem eine Hilfe, den Leser durch den Gedankengang zu führen: vom geeigneten Ausgangspunkt über Unterschied und Wirkung zur objektiven technischen Aufgabe und schließlich zum Naheliegen.

Ein kleines Beispiel

Nehmen wir einen frei gewählten Fall: D1 beschreibt einen wiederverwendbaren Lebensmittelbehälter mit Deckel. Anspruch 1 enthält zusätzlich eine umlaufende elastische Dichtung zwischen Deckel und Behälterrand. Vergleichsversuche in der Anmeldung zeigen, dass dadurch bei wiederholtem Öffnen und Schließen weniger Flüssigkeit austritt. D2 betrifft einen fest verschraubten Behälter und beschreibt eine Dichtung, die nur unter dauerhaft hoher Verspannung abdichtet. Diese Annahmen sollen den Gedankengang veranschaulichen.

Eine zu knappe Begründung wäre etwa: „D1 offenbart keine Dichtung. D2 betrifft einen anderen Behälter. Der Gegenstand ist daher neu und erfinderisch.“ Der Neuheitsunterschied ist angesprochen. Weshalb die Lehre von D2 den Fachmann nicht zur beanspruchten Lösung führen würde, bleibt dagegen offen.

Ich würde die Argumentation ungefähr so aufbauen:

D1 ist ein geeigneter Ausgangspunkt, weil es ebenfalls einen wiederverwendbaren Lebensmittelbehälter mit abnehmbarem Deckel betrifft. Der Gegenstand von Anspruch 1 unterscheidet sich durch die umlaufende elastische Dichtung. Nach den Vergleichsversuchen vermindert diese den Flüssigkeitsaustritt auch nach wiederholtem Öffnen und Schließen. Die objektive technische Aufgabe besteht daher darin, bei einem solchen wiederholt zu öffnenden Behälter den Flüssigkeitsaustritt zu verringern.

D2 erreicht die Abdichtung unter dauerhaft hoher Verspannung eines fest verschraubten Verschlusses. Eine Übernahme dieses Konzepts würde die in D1 vorgesehene einfache wiederholte Öffnung beeinträchtigen. D2 gibt insbesondere keinen Hinweis darauf, die Abdichtung für diesen Betrieb mit geringerer Verspannung auszulegen. Aus dieser Kombination ergibt sich daher noch kein nachvollziehbarer Weg zur beanspruchten Lösung.

Die Fundstellen für Aufbau, Versuchsergebnis und die Arbeitsweise der Dichtung gehören jeweils an die betreffende Aussage. Beim Üben lässt sich gut vergleichen, welche dieser Verbindungen in der eigenen Antwort schon stehen und welche der Leser bislang selbst ergänzen müsste.

Could-would: Warum hätte der Fachmann es getan?

Die technische Möglichkeit, eine Dichtung einzubauen, beantwortet noch nicht die Frage, weshalb der Fachmann gerade die beanspruchte Lösung gewählt hätte. Dieser Unterschied wird als Could-would-Ansatz bezeichnet. Im Beispiel spricht die Arbeitsweise der D2-Dichtung gegen die vorgeschlagene Übernahme. Würde D2 dagegen ausdrücklich zeigen, wie dieselbe Dichtung bei einem leicht zu öffnenden Deckel zuverlässig arbeitet, wäre das ein starkes Argument für die Kombination.

Mir hilft diese Gegenprobe beim Vorbereiten: Welcher konkrete Hinweis würde das Argument der anderen Seite stark machen, und finde ich ihn tatsächlich in den Unterlagen? So entwickelt sich eine Begründung, die den Einwand ernst nimmt und gezielt beantwortet. Die amtliche Erläuterung findest Du in den Richtlinien G‑VII, 5.3.

Bei einem weiteren unabhängigen Anspruch würde ich den Gedankengang noch einmal auf dessen Gegenstand beziehen. Für abhängige Ansprüche kann ein Rückverweis auf die bereits begründete erfinderische Tätigkeit des eingeschlossenen Hauptanspruchs viel Schreibarbeit sparen.

Anträge und Endkontrolle

Für die Schlusskontrolle lege ich die Anträge, den geänderten Anspruchssatz und die Begründung nebeneinander. Bei einer Beschwerde möchte ich insbesondere sehen, dass die Zurückweisungsgründe aufgegriffen sind und sich die beantragte Entscheidung aus dem Schriftsatz ergibt. Die Notiz zum Verfahrensstand vom Anfang hilft jetzt ein zweites Mal.

Sind die Ansprüche und die Begründung auf demselben Stand? Steht alles im verlangten Dokument? Sind die Fundstellen eindeutig? Hast Du die elektronische Antwort vollständig abgegeben?

Mit der Zeit solltest Du an den Punkt kommen, an dem Du über die Reihenfolge der Arbeitsschritte nicht mehr lange nachdenken musst. Probiere den Ablauf an B 2026 und an der offiziellen M3-Probeaufgabe aus und schau nach der Korrektur, wo Du hängen geblieben bist. Dann kannst Du gezielt daran arbeiten. Hinweise dazu findest Du auch unter Bewertungspraxis bei Teil B und Teil B / M3.2.

Text überarbeitet am 28. September 2026.