Ein guter Kurs kann Deiner Vorbereitung Struktur geben und Lücken sichtbar machen. Er nimmt Dir aber die eigene Arbeit an den Aufgaben nicht ab. Ich habe besonders viel aus Kursen mitgenommen, wenn ich schon Lösungsversuche und konkrete Fragen mitbrachte.
Was ich selbst erlebt habe
Die CEIPI-Vorbereitungsseminare habe ich damals für alle Teile besucht und als hilfreich empfunden. Für mich war gerade der letzte Feinschliff wertvoll. Ohne Vorbereitung wäre ich wahrscheinlich stärker damit beschäftigt gewesen, den Stoff überhaupt einzuordnen, statt meine eigenen Schwächen zu bearbeiten.
Aus dem damaligen Seminar von Michalski-Hüttermann habe ich außerdem praktische Anregungen für die Organisation und die Arbeit an C mitgenommen, unter anderem für meine Unterlagen. Bei einem heutigen Angebot würde mich deshalb besonders interessieren, wie viel gemeinsame Arbeit an den eigenen Lösungen vorgesehen ist.
Auch das EPA bietet inzwischen eigenes Prüfungstraining an
Die Europäische Patentakademie hat ihr Angebot für EQE-Kandidaten deutlich ausgebaut. Das ist für die Auswahl eines Kurses durchaus interessant, weil dort inzwischen sowohl längere Programme als auch kleine Übungen für zwischendurch angeboten werden.
Für F gibt es für den Jahrgang 2027 einen sechsmonatigen Online-Kurs der Europäischen Patentakademie von September bis Ende Februar. Er verbindet Texte und Videos mit Fragen, Fallstudien, Quizzen und Live-Veranstaltungen. Das EPA setzt dafür einen Arbeitsumfang von 180 Stunden an; der Kurs kostet derzeit 350 Euro. Das ist also kein kleiner Zusatzkurs für ein Wochenende, sondern ein erheblicher Teil der gesamten Vorbereitung.
Für kurze Lernfenster gefallen mir die Paper F Brain-teasers besser: 47 kleine Fragen zu EPÜ und PCT, für die jeweils ungefähr fünf bis zehn Minuten vorgesehen sind. Montags, mittwochs und freitags kommt eine neue Frage; zusammen mit ihr erhältst Du die Lösung mit Rechtsgrundlage zur vorherigen Aufgabe. Daneben stellt die Patentakademie unter anderem Übungen zu Fristen und weitere F-Materialien bereit. Die Übersicht findest Du bei den EPA-Angeboten für EQE- und EPAC-Kandidaten.
Ganz neu ist das Angebot EQE Daily M2 legal questions. Der Kurs läuft für die Vorbereitung auf 2027 vom 12. Oktober 2026 bis 5. Februar 2027, ist englischsprachig und derzeit kostenlos. Das EPA veranschlagt etwa 45 Stunden. Die Teilnehmer bearbeiten fortlaufend unterschiedliche M2-Aufgaben; hinzu kommen Diskussionen, Tutorfeedback sowie Zwischen- und Abschlussauswertungen. Gerade für M2 finde ich dieses Format interessant: Eine einzelne Rechtsfrage lässt sich gut in einen normalen Arbeitstag einbauen, und aus regelmäßigem Feedback kann eine brauchbare Routine entstehen. Eine vollständige 90-Minuten-Simulation ersetzt das natürlich nicht.
Bei diesen Angeboten sollte man einen Punkt nicht missverstehen: Ein Kurs der Europäischen Patentakademie ist kein Blick hinter die Kulissen der Prüfungskommission. Das EPA weist beim F-Kurs ausdrücklich darauf hin, dass Patentakademie und EQE-Prüfungsorganisation unabhängig voneinander arbeiten und die Akademie keine besonderen Informationen über künftige Aufgaben erhält. Ich würde die Kurse deshalb genauso nutzen wie andere gute Vorbereitungskurse: zum Lernen und Üben – nicht als Hinweis darauf, was dieses Jahr drankommt.
Für welches Modul ist der Kurs gedacht?
CEIPI veröffentlicht inzwischen Angebote zur Vorbereitung auf die EQE 2027; den Einstieg findest Du auf der CEIPI-Seite. Beim epi gibt es beispielsweise ein Vorbereitungsangebot zu F 2027.
In meiner früheren Übersicht hatte ich auch DeltaPatents, das Examinatorium Europaeum der Fernuniversität Hagen und JDD Consultants aufgeführt. Wenn Du Dich für einen dieser Anbieter interessierst, frage dort nach, was aktuell zu Deinem Modul angeboten wird. Die alten Kursbezeichnungen, Preise und Einschreibetermine helfen Dir dabei nicht zuverlässig weiter.
Bei der Auswahl würde ich vor allem fragen: Geht es um Grundlagen oder um Prüfungstraining? Werden aktuelle Modulformate verwendet? Schreibst Du selbst Lösungen, und erhältst Du dazu konkretes Feedback? Bleibt anschließend Zeit, erkannte Schwächen zu bearbeiten?
Nicht nur den Kurstermin einplanen
Zu einem Kurs gehören für mich Vorbereitung und Nacharbeit. Wenn Du erst dort zum ersten Mal den Aufgabe-Lösungs-Ansatz siehst, ist das etwas anderes, als wenn Du drei eigene Versuche mitbringst und gezielt nach den fehlenden Schritten fragen kannst.
Ebenso lohnt sich eine Rückfrage nach dem Rechtsstand der Unterlagen. Ein nützlicher alter C-Fall kann weiterverwendet werden, sollte aber als solcher erkennbar sein. Für M3.3 musst Du zusätzlich die heutige Bandbreite der Verfahrenssituationen üben.
Die offiziellen Aufgaben helfen Dir, vor einer Buchung einzuschätzen, wo Du stehst. Eine Lerngruppe und ein verlässlicher eigener Plan können einen Kurs gut ergänzen. Mehr dazu unter Zeitplanung.
Text überarbeitet am 20. Oktober 2026.
