Man sitzt vor einer Aufgabe und findet erstaunlich viele Dinge, die vorher noch dringend erledigt werden müssten. Irgendwann ist der Abend vorbei und die Aufgabe liegt immer noch da. Wer diese „Aufschieberitis“ kennt, braucht dafür nicht erst einem bestimmten Lerntyp anzugehören.
Ich will Dir hier ein paar einfache Tricks vorstellen, mit denen Du Dir das Anfangen vielleicht etwas leichter machen kannst. Einen davon auszuprobieren ist jedenfalls hilfreicher, als sich den ganzen Abend über die eigene Aufschieberitis zu ärgern.
Eine vorhandene Routine nutzen
Überlege einmal, wie viele Dinge Du morgens erledigst, ohne jedes Mal einen neuen Entschluss zu fassen. Daran lässt sich anknüpfen: Nach dem Nachmittagskaffee löst Du beispielsweise eine Rechtsfrage oder arbeitest die Fehler aus der letzten Übung durch.
Wichtig ist, dass der nächste Schritt überschaubar ist. „Nach dem Kaffee bereite ich mich auf die EQE vor“ ist ein sehr großes Vorhaben. „Nach dem Kaffee bearbeite ich Frage 3 und notiere die Rechtsgrundlage“ lässt sich anfangen.
Wenn die Verknüpfung zu Deinem Alltag passt, wiederhole sie. Es muss nicht sofort eine mehrstündige Lernroutine werden.
Der Zehn-Minuten-Trick
Du verabredest mit Dir selbst, eine Aufgabe zehn Minuten lang konzentriert zu bearbeiten. Danach darfst Du aufhören. Das ist kein heimlicher Vertrag über einen ganzen Lernabend.
Oft ist der Einstieg das Unangenehmste. Sind die Unterlagen geöffnet und die ersten Gedanken notiert, fällt das Weitermachen leichter. Manchmal endet die Arbeit tatsächlich nach zehn Minuten. Dann weißt Du wenigstens, wo Du beim nächsten Mal ansetzt.
Formuliere die erste Handlung möglichst konkret. Bei M4 könnte sie lauten: „Ich lese den Mandantenauftrag und notiere die Beteiligten.“ Bei M3.1: „Ich kläre, welche Ansprüche verlangt sind.“ Auch das ist bereits Arbeit an der Prüfung.
Die passende Tageszeit finden
Beobachte, wann Du welche Aufgaben gut erledigen kannst. Vielleicht gelingt Dir das Lösen eines Falls morgens besser, während Du abends noch Fundstellen nacharbeiten kannst. Ein Plan gegen Deine tatsächlichen Kräfte hält selten lange.
Für die letzten Simulationen solltest Du trotzdem auch zu den vorgesehenen Prüfungszeiten arbeiten. Die Prüfung beginnt schließlich nicht automatisch zu Deiner persönlichen Lieblingszeit. So lernst Du rechtzeitig kennen, wie Du an einem solchen Vormittag zurechtkommst.
Wenn ein Plan wiederholt scheitert, ändere die Größe der Aufgabe, die Tageszeit oder die Umgebung. Dich jeden Abend über mangelnde Disziplin zu ärgern, löst das Problem selten.
Weitere Anregungen findest Du unter Zeitplanung und Unterbrechungen vermeiden.
Text überarbeitet am 28. September 2026.
