Ordnung auf dem Tisch

Ich gebe es offen zu: Ich bin kein Leertischler. Ein Schreibtisch mit genau einem Stift und sonst nichts entsprach jedenfalls nie meiner normalen Arbeitsweise. In der Prüfung wollte ich trotzdem jederzeit wissen, wo eine Information liegt. Sonst wird aus einer lässlichen Alltagssünde schnell ein handfestes Zeitproblem.

Ordnung bedeutet Wiederfinden

Für die alte Papierprüfung hatte ich Ordner, Trennstreifen und Klarsichthüllen vorbereitet. Jede Entgegenhaltung bekam ihren Platz und ihre Farbe. Diese Arbeitsweise war auch durch das damalige Michalski-Hüttermann-Seminar angeregt.

Heute bekommst Du die Aufgaben am Bildschirm, und für 2027 gibt es keine Vorabausdrucke mehr. Entklammern, Lochen und Abheften kannst Du also aus Deinem Prüfungsablauf streichen. Ich würde mir trotzdem überlegen, wie ich die Dokumente eindeutig bezeichne, Fundstellen festhalte und meine Notizen ordne. Du willst beim Schreiben schließlich wissen, wo Deine eben noch so gute Idee geblieben ist.

Die eigenen Unterlagen vorbereiten

Sortiere die zugelassenen Bücher und Papierunterlagen nach einem System, das Du tatsächlich benutzt. Gesetzestexte, eigene Checklisten und kurze Formulierungshilfen sollten sich schnell unterscheiden lassen. Zu viele beinahe gleiche Sammlungen erschweren das Suchen.

Eine Beschriftung nach Themen kann hilfreicher sein als ein Stapel nach Entstehungsdatum. Kennzeichne dabei den Rechtsstand. Für die Prüfung ist nicht automatisch jede allerneueste Online-Fassung maßgeblich, sondern der einschlägige Prüfungsstichtag.

Für eine gebundene Sammlung bieten sich Ordner mit Registerblättern an. Lose Übungsaufgaben würde ich dagegen eher in beschrifteten Hängemappen aufbewahren, jeweils zusammen mit meiner Bearbeitung und dem Prüferbericht. So bleibt die Nacharbeit zu einer Aufgabe beisammen. Am Prüfungsplatz selbst brauche ich dann nur die Auswahl, auf die ich während einer Bearbeitung tatsächlich zugreife.

Die sichtbaren Register sollten zu meinen Suchbegriffen passen. Hinter „Änderungen“ erwarte ich beispielsweise meine Übersicht zur ursprünglichen Offenbarung und die zugehörigen Fundstellen, hinter „Fristen“ die Berechnung und die vorbereiteten Begründungsbausteine. Genau für solche kurzen Suchwege sind Haftregister und Trennblätter weiterhin nützlich. Die Toolbox-Checkliste enthält dazu eine kleine Auswahl passender Produkte.

Probiere die Anordnung bei einer vollständigen Übung aus. Wenn ein häufig benötigter Ordner hinter dem Bildschirm steht und sich nur umständlich aufschlagen lässt, hat er seinen Platz noch nicht gefunden. Dabei lohnt es sich, die Kamera- und Arbeitsplatzvorgaben gleich mitzuberücksichtigen.

Gut lesbar ist wichtiger als möglichst klein

Früher habe ich Richtlinien verkleinert ausgedruckt und binden lassen. Platzsparend war das, aber die Lesbarkeit muss zu Dir passen. Eine winzige Schrift ist keine Zeitersparnis, wenn Du jede Fundstelle zweimal lesen musst. Prüfe außerdem, ob die Zusammenstellung vollständig und für den maßgeblichen Rechtsstand geeignet ist.

Auch die digitale Arbeitsfläche braucht Ordnung

Übe das Wechseln zwischen Aufgabe, Anlagen und Antwort. Notiere kurze Dokumentenbezeichnungen mit genauen Fundstellen. Eine Merkmalstabelle oder Zeitlinie kann helfen, sollte aber nicht zu einer zweiten vollständigen Abschrift des Sachverhalts werden.

Ich würde mir dafür eine kleine Fundstellenübersicht anlegen. Dort steht dann beispielsweise „D2, Abs. 4: Ausgangsstoffe“ oder „Mandantin, Abs. 12: Metall notwendig“. Ein paar solche Zeilen sparen später viele Bildschirmwechsel. Vor allem muss ich mir nicht zugleich die rechtliche Überlegung und den Ort der dazugehörigen Textstelle merken.

Wie gut das funktioniert, lässt sich einfach ausprobieren: Bearbeite einen Abschnitt, wechsle zu einer anderen Frage und suche nach 30 Minuten die entscheidenden Stellen erneut. Miss dabei ruhig einmal die Suchzeit. Wenn Du immer wieder durch dieselben Seiten scrollst, ergänze die Übersicht um eine genauere Fundstelle oder ein markantes Suchwort. Für häufige Rechtsfragen würde ich außerdem einen zweiten Weg einüben, etwa über mein Papierregister, falls die bevorzugte Suche einmal nicht zum Ziel führt.

Über solche Zeitverluste beim Scrollen, Kopieren und Wiederfinden hat Pete Pollard bei seinem D-Durchlauf 2023 sehr anschaulich geschrieben. Die Oberfläche entwickelt sich weiter; die Frage, wie schnell Du eine bereits verstandene Information wieder in die Antwort bekommst, bleibt für die Vorbereitung interessant.

Den ganzen Platz testen

Getränke, Verpflegung und die persönlichen Dinge am Prüfungsplatz gehören ebenfalls zur Vorbereitung. Welche Hilfsmittel am Prüfungstag vorgesehen sind, habe ich unter Verbotenes in der Prüfung eingeordnet.

Die heutige Toolbox-Checkliste und der Beitrag EQE Online helfen beim letzten Durchgang. Entscheidend ist, dass Du mit Deinem Platz gut arbeiten kannst – nicht, dass er auf einem Foto perfekt aussieht.

Text überarbeitet am 28. September 2026.



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