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10+1 Regel für den richtigen Mindset

Fachlich gut vorbereitet zu sein ist wichtig. Für mich hat aber auch eine Rolle gespielt, mit welcher Einstellung ich an die EQE herangegangen bin. Wie fange ich an? Woran halte ich mich unter Zeitdruck? Und was mache ich, wenn eine Aufgabe einmal nicht so läuft wie erhofft? Darum geht es mir, wenn ich hier von „Mindset“ spreche.

Die folgenden 10+1 Regeln hatte ich ursprünglich aus meiner Vorbereitung auf A bis D zusammengestellt. Beim Überarbeiten habe ich gemerkt, dass ich vieles davon weiterhin empfehlen würde. Ein paar Hinweise musste ich aber ändern, weil sie zur heutigen Prüfung nicht mehr passen.

1. Nimm die EQE nicht auf die leichte Schulter

Ich habe Prüflinge kennengelernt, die nahezu unvorbereitet einen „Probeschuss“ abgeben wollten. Davon würde ich weiterhin abraten. Ein zufällig guter Ausgang zeigt Dir noch nicht, ob Deine Arbeitsweise verlässlich ist; ein schlechter Ausgang kostet Zeit, Geld und möglicherweise Zuversicht.

Probiere Dich lieber an einer Aufgabe unter realistischen Bedingungen aus. Dann kannst Du Fehler noch in Ruhe auswerten. Besonders beim intensiven Prüfungsweg und bei zeitlich begrenzten Befreiungen solltest Du außerdem die formalen Folgen Deiner Planung kennen.

2. Mache aus der Prüfung keine Wissenschaft

Man kann die Vorbereitung auch übertreiben: den perfekten Kommentar suchen, jede Entscheidung sammeln und noch eine schönere Checkliste entwerfen. Irgendwann kommt aber der Punkt, an dem Du mit diesen Unterlagen eine Aufgabe lösen musst. Dabei zeigt sich oft sehr schnell, was Du tatsächlich brauchst.

Das gilt genauso während der Prüfung. Wer die erste von drei vergleichbar gewichteten Fragen bis zur letzten Feinheit ausarbeitet und die beiden anderen aus Zeitmangel kaum noch bearbeitet, verschenkt eine Menge erreichbarer Punkte. Mir ist eine brauchbare Antwort auf alle drei Fragen lieber, selbst wenn jede für sich noch Lücken hat. Meine häufig verwendeten 60 Prozent beschreiben diesen Gedanken: die eigene Zeit so einzusetzen, dass möglichst viele bewertbare Teile der Antwort entstehen. Sie sind keine pauschale Bestehensgrenze.

In einer Freitextantwort kann etwa schon die richtige Fristberechnung samt Rechtsgrundlage einen Teil der Punkte sichern, auch wenn die anschließende Beratung noch nicht vollständig ist. Bei einer Antwortgruppe, die nur als Ganzes bewertet wird, sieht die Rechnung anders aus. So wurden in M1, Teil 1, 2026 grundsätzlich nur vollständig richtige Antworten bepunktet; bei den Fragen 3, 13 und 15 wurden die Teilfragen getrennt bewertet. Hier lohnt es sich, eine fast fertige Gruppe gezielt zu vervollständigen. Wie Du Deine Zeit verteilst, hängt also auch davon ab, welche Einheit die Punkte bringt. Die Einzelheiten zu M1 findest Du auf der Modulseite.

3. Bereite die wiederkehrende Arbeit vor

Eine gute Vorbereitung soll Dir das Wiederfinden und Anwenden erleichtern. Viele Arbeitsschritte kommen immer wieder vor: eine Frist mit vollständiger Rechtskette herleiten, eine Änderung auf die ursprüngliche Offenbarung zurückführen oder den Aufgabe-Lösungs-Ansatz sauber abarbeiten. Wenn der Aufbau schon auf Deinem Vorlagenzettel steht, bleibt in der Prüfung mehr Aufmerksamkeit für die Besonderheiten des Falls.

Beim Üben merke ich, ob mir die Vorlage wirklich Arbeit abnimmt: Finde ich die passende Stelle sofort, und sind die Felder für die nötigen Angaben groß genug? Was regelmäßig leer bleibt oder mich eher aufhält, würde ich überarbeiten. So wird aus einer allgemeinen Sammlung mein eigenes Werkzeug.

4. Verstehe, wofür Du Punkte bekommst

Lies nach einer Übung den Prüferbericht mit Deiner eigenen Antwort daneben. Mich interessiert dabei weniger, ob ich ungefähr dasselbe gedacht habe, sondern ob die bewerteten Schritte tatsächlich in meiner Antwort stehen. Gerade ein aus unserer täglichen Arbeit vertrauter Zwischenschritt rutscht leicht durch, weil wir ihn für selbstverständlich halten.

Bei den Ansprüchen interessiert mich außerdem, wie schwer unterschiedliche Fehler wiegen. Welche Abzüge gefährden das Ergebnis besonders, und wo bleibt trotz eines Fehlers noch eine brauchbare Teilbewertung? Daraus lässt sich ableiten, welche Stelle ich vor der Abgabe unbedingt noch einmal kontrollieren möchte. Die Abwägung zwischen einem zu breiten Anspruch und einer unnötigen Beschränkung zeige ich unter Bewertungspraxis bei Teil A.

Prüferberichte verraten auch Muster, die über ein einzelnes Jahr hinaus helfen: Wenn ein großer Teil der Punkte auf die unabhängigen Ansprüche entfällt und die Rückfallpositionen auf ihnen aufbauen, hat eine saubere Grundlage Vorrang vor dem letzten besonders eleganten Unteranspruch.

5. Lass die gut vorbereitbaren Punkte nicht liegen

Eine Änderung zu belegen klingt nach einer Kleinigkeit. In M1, Teil 2, 2026 wurden aber beispielsweise 2 Punkte für die genaue Fundstelle und weitere 2 Punkte für die Begründung der Zulässigkeit vergeben. Wenn auf Deinem Zettel schon „Fundstelle + Offenbarung der Kombination“ steht, denkst Du im Eifer der Prüfung leichter an beide Schritte.

Darum mag ich solche vorbereitbaren Bausteine. Du setzt die konkreten Angaben aus der Aufgabe ein und formulierst, was daraus folgt. Kleinvieh macht eben auch Mist. Weitere Beispiele mit der tatsächlich ausgewiesenen Bewertung habe ich bei den niedrig hängenden Früchten gesammelt.

6. Mach es dem Korrektor leicht

Der Korrektor muss Deine Lösung verstehen können. Gliedere nach den Fragen, benenne den betroffenen Anspruch oder das Schutzrecht und verwende eindeutige Fundstellen. Wenn Du Dich auf einen bereits ausgeführten Gedanken beziehst, mache den Verweis klar.

Du musst die Musterlösung nicht möglichst wörtlich treffen. Eine fachlich tragfähige, nachvollziehbare Antwort ist das Ziel. Sie gehört in das verlangte Dokument: Ein Schreiben an den Mandanten wird nicht durch eine Notiz an den Prüfer ersetzt.

7. Nutze die Aufgaben bewusst

Alte Prüfungen sind Gold. Manche eignen sich zum Erlernen einer Methode, andere willst Du Dir für eine möglichst unverfälschte Simulation aufheben. Entscheide das vorher. Wenn Du die Lösung bereits kennst, ist eine gute Wiederholung nützlich, aber kein unabhängiger Leistungstest mehr.

Für die neuen Module sind die aktuellen Aufgaben und Probeprüfungen der Ausgangspunkt. Ältere Arbeiten kannst Du für einzelne Fähigkeiten nutzen, nachdem Du Format und Rechtsstand eingeordnet hast. Eine starre Grenze „nur die letzten fünf Jahre“ oder „zum Lernen nur vor 2009“ würde ich nicht setzen.

Nach der Bearbeitung frage ich: Wo fehlte Wissen? Wo habe ich falsch gelesen? Wo ging Zeit verloren? Welche richtige Idee habe ich nicht aufgeschrieben? Diese Fragen führen direkt zur nächsten sinnvollen Übung.

8. Plane auch das Nacharbeiten ein

Wenn Du eine Aufgabe fertig bearbeitet hast, ist die Arbeit noch nicht vorbei. Du musst Deine Antwort korrigieren, Unverstandenes nachlesen und gegebenenfalls Deine Unterlagen ergänzen. Wie viel Zeit dabei zusammenkommt, merkt man oft erst beim Nacharbeiten. Für die beiden damals getrennten DeltaPatents-Fragensammlungen habe ich jeweils ungefähr zwei volle Wochen gebraucht. Bei Dir kann das natürlich anders aussehen, zumal Du Dich heute auf andere Module vorbereitest. Plane das Nacharbeiten aber unbedingt mit ein.

Plane anhand Deiner Aufgaben und Deines Alltags. Wenn die verfügbaren Wochen nicht reichen, prüfe, ob eine andere Modulplanung möglich und sinnvoll ist. Die Bedingungen des intensiven Wegs lassen sich dabei nicht ignorieren.

9. Kenne Deine Prüfungsumgebung

Früher habe ich über Schneefall auf der Fahrt nach München, kleine Tische und fehlende Wanduhren geschrieben. Heute beginnt dieser Teil der Vorbereitung mit Rechner, Verbindung, Kamera, Raum und WISEflow.

Mit „testen“ meine ich dabei mehr als einen erfolgreichen Login. Löse eine Aufgabe mit dem Rechner und den Unterlagen, die Du später wirklich verwenden willst. Erst dabei merkst Du, ob Du ständig zwischen Anlagen hin- und herscrollst, Zitate erneut suchen musst oder beim Überarbeiten eines Anspruchs den Faden verlierst. Unter EQE Online habe ich dafür kleine Bedienübungen zusammengestellt; dort findest Du auch die organisatorischen Vorgaben.

10. Suche Dir ehrliches Feedback

Eine kleine Lerngruppe kann viel leisten: Lösungen gegenlesen, schwierige Fragen besprechen und einen motivieren, wenn die Vorbereitung zäh wird. Mir erscheint eine Gruppe von zwei bis vier Personen dafür oft handlicher als eine große Runde. Entscheidend ist, dass Ihr tatsächlich miteinander arbeitet.

Es kostet zunächst Überwindung, eine unfertige oder schwache Lösung zu zeigen. Genau dort liegt aber der Nutzen. Ein anderer sieht häufig sofort, dass ein Zusammenhang fehlt, den Du beim Lesen Deiner eigenen Antwort stillschweigend ergänzt.

11. Verlasse Dich nicht allein auf den Kommentar

Ein guter Kommentar erleichtert die Arbeit. Er kann aber nicht jede neue Fallgestaltung vorwegnehmen. Übe deshalb, aus der Rechtsgrundlage selbst eine Lösung zu entwickeln und Änderungen im einschlägigen Recht nachzuvollziehen.

Für den Rechtsstand der Prüfung ist grundsätzlich der 31. Oktober des Vorjahres maßgeblich. Während ich diese Seite im September 2026 überarbeite, liegt der Stichtag für 2027 also noch vor uns. Schau nach diesem Datum noch einmal durch Deine Rechtsunterlagen, damit Du mit dem richtigen Stand in die Prüfung gehst.

Mehr zur praktischen Umsetzung findest Du unter Zeitplanung, in der Toolbox und bei den Rechtsquellen.

Text überarbeitet am 28. September 2026.