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Die Bewertungspraxis bei Teil D

© Nico Riffel

© Nico Riffel

Eine richtige rechtliche Überlegung im Kopf und eine gut bewertete Prüfungsantwort sind leider nicht immer dasselbe. Das klingt zunächst etwas ungerecht. Mir hat es aber geholfen, beim Nacharbeiten einer Aufgabe genauer hinzusehen: Was hatte ich tatsächlich aufgeschrieben, was nur mitgedacht, und an welcher Stelle erwartete der Prüfer noch eine Begründung?

Der frühere D-Teil verband einzelne Rechtsfragen mit einer größeren Beratungsaufgabe. In M2 und M4 begegnen Dir beide Fähigkeiten wieder. Bei der Vorbereitung würde ich deshalb nicht nur vergleichen, ob mein Ergebnis mit der Musterlösung übereinstimmt. Mich interessiert auch, ob jemand, der meine Überlegungen nicht kennt, den Weg dorthin aus meiner Antwort nachvollziehen kann.

M2: Vom passenden Artikel zur brauchbaren Antwort

Ein anschauliches Beispiel ist die Rücknahme einer PCT-Anmeldung aus M2 2026. Die vollständige Gegenüberstellung findest Du auf der Modulseite zu M2 und M4. Dort genügte es nicht, die Rücknahmevorschrift zu finden: Die Frage verlangte die möglichen Einreichungsstellen und die jeweils erforderlichen Schritte. Daraus ergaben sich auch die Themen Vertretung, Vollmacht und Unterschrift.

Beim Nacharbeiten würde ich neben jede Teilfrage die dazugehörigen Sätze meiner Antwort setzen. So sieht man recht schnell, ob man eine Frage zwar erkannt, aber nur zur Hälfte beantwortet hat. Fehlt etwa die Unterschrift, ergänze ich auf meinem Vorlagenzettel neben „Erklärung einreichen“ gleich „Wer unterschreibt?“. Beim nächsten ähnlichen Fall erinnert mich diese kleine Ergänzung daran, auch diesen Schritt zu prüfen.

Mit den Fundstellen verfahre ich genauso: Der passende Absatz oder Buchstabe steht direkt bei der Aussage, die er trägt. Im Prüferbericht zu M2 2026 wird ausdrücklich zwischen der bloßen Wiedergabe einer Vorschrift und ihrer begründeten Anwendung auf den Sachverhalt unterschieden. Gerade mit dem elektronischen Zugriff auf Rechtstexte ist die Versuchung groß, eine gefundene Passage schnell zu übernehmen. Die eigentliche Arbeit liegt dann darin, mit einem eigenen Satz zu erklären, was sie für diesen Mandanten bedeutet.

Für die Auswertung der Übergangsprüfung 2026 noch eine Besonderheit: Nach dem Wegfall einer Frage wegen eines Übersetzungsproblems waren im ersten Teil 8 von 19 Punkten und im zweiten 10 von 20 Punkten zum Bestehen erforderlich. Wenn Du diese Aufgabe unter Prüfungsbedingungen übst, kannst Du Dein Ergebnis an diesen tatsächlich verwendeten Schwellen messen.

Standardsituationen bleiben wertvoll

Fristenberechnung, Priorität, Verfahrensstand und die Folgen einer versäumten Handlung begegnen Dir immer wieder. Im Grunde ist es wie beim Fußball: Ein Tor nach einem eingeübten Freistoß zählt genauso wie eines nach einem wunderbaren Spielzug. Solche Standardsituationen darf man also ruhig gezielt trainieren.

Bei einer versäumten Frist würde mein vorbereiteter Ablauf etwa Rechtsfolge, verfügbaren Rechtsbehelf, erforderliche Handlung, Gebühr und neue Frist miteinander verbinden. Die konkreten Daten und die Gründe, weshalb der Rechtsbehelf hier offensteht, ergänze ich aus der Aufgabe. Unter „Niedrig hängende Früchte“ habe ich erklärt, wie daraus eigene Rechtsketten und Formulierungshilfen werden können. Dort findest Du auch Beispiele und eine Sammlung zum Herunterladen.

M4: Aus der Schutzrechtslage eine Empfehlung entwickeln

Bei einer Beratungsaufgabe würde ich zunächst zwischen dem heutigen Zustand und den möglichen nächsten Schritten unterscheiden. Angenommen, der Mandant will ein Erzeugnis in zwei Ländern verkaufen und nur in einem davon besteht ein relevantes Patent des Wettbewerbers. Dann möchte ich die Antwort auch nach diesen Ländern aufbauen. Anschließend prüfe ich, ob das Patent den geplanten Vertrieb tatsächlich erfasst und welche Möglichkeiten der Mandant hat, seine Lage zu verbessern.

Aus „Einspruch einlegen“ wird dann etwa ein Rat, der das konkrete Patent, den tragfähigen Angriff und das berechnete Fristende nennt. Dazu gehört auch die Erklärung, was ein erfolgreicher Angriff für das Vorhaben des Mandanten ändern würde. Besteht das Hindernis stattdessen in einem eigenen versäumten Verfahrensschritt, führt die Überlegung beispielsweise zur Weiterbehandlung. Entscheidend ist, dass der Rat aus der zuvor ermittelten Situation herauswächst.

Dafür finde ich eine Zeitlinien- und Schutzrechtsübersicht hilfreich. Neben den Rechten stehen dort die Länder, die geplanten Handlungen und die noch offenen Schritte. So habe ich beim Schreiben sowohl die rechtliche Lage als auch das Ziel des Mandanten vor Augen.

Nach einer Übung auch die Zeit auswerten

Die Bewertung allein erzählt noch nicht alles. Ich würde nach einer Übung auch festhalten, wo die Zeit hingegangen ist. War eine Frage schwierig, fehlte mir eine Rechtsgrundlage, oder habe ich an einer bereits brauchbaren Antwort zu lange gefeilt? Für die nächste Übung folgen daraus ganz unterschiedliche Konsequenzen.

Wenn ich die Lösung wusste und sie trotzdem nicht rechtzeitig aufgeschrieben habe, brauche ich vor allem eine bessere Begrenzung der ersten Bearbeitungsrunde. Dazu dient mein Zeitplan nach Punkten. Bei einer Unterbrechung notiere ich möglichst konkret, was noch fehlt, etwa „Unterschrift des Vertreters prüfen“. Damit finde ich beim zweiten Durchgang schneller wieder hinein als mit einem großen Fragezeichen neben der gesamten Antwort.

Ältere D-Aufgaben nacharbeiten

Bei älteren D-Aufgaben konnte sich das Gewicht von Rechtsfragen und Beratungsaufgabe verschieben. Die Mitteilung der Prüfungskommission vom 13. März 2019 sah für Prüfungen ab 2020 eine Verteilung von 40:60 bis 60:40 zwischen Teil I und Teil II vor. Schau beim Üben deshalb auf die Punkte in der betreffenden Aufgabe. Die dazugehörigen Prüferberichte findest Du im EPA-Compendium.

Text überarbeitet am 28. September 2026.