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Wie viel Zeit brauche ich zur Vorbereitung?

„Wie viel Zeit muss ich für die EQE einplanen?“ Die einzige ehrliche Antwort lautet zunächst, ganz nach dem Anwaltsklischee: Es kommt darauf an!

Auf Dein Vorwissen, die gewählten Module, Dein Lerntempo und darauf, wie viel verlässliche Lernzeit neben dem Beruf tatsächlich übrig bleibt. Eine pauschale Stundenzahl für die gesamte frühere EQE würde ich deshalb nicht als Plan für F oder ein einzelnes M-Modul verwenden.

Was ich aus meiner eigenen Vorbereitung mitgenommen habe: Man unterschätzt leicht die Zeit, die neben dem eigentlichen Lösen gebraucht wird. Eine Übung ist nicht mit der Abgabe fertig. Die Nachkorrektur, das Nachlesen und die Überarbeitung der eigenen Hilfsmittel gehören dazu.

Früh anfangen und das richtige Ziel wählen

Kläre Registrierung und Zulassung frühzeitig. Danach schaust Du Dir die Aufgaben an, die für Deinen Weg anstehen. F verlangt eine andere Vorbereitung als M3.1, und für M4 musst Du über die Beantwortung einzelner Rechtsfragen hinaus zur Beratung kommen.

Wenn Du schon Prüfungen im alten System bestanden hast, sieh Dir die Befreiungen und ihre Laufzeit an. Auch beim intensiven Weg solltest Du vorher wissen, worauf Du Dich einlässt: Du kannst dort nicht einfach einzelne Aufgaben aus der Anmeldung herausnehmen, wenn Dir die Vorbereitung später doch zu viel wird. Diese Bedingungen würde ich deshalb klären, bevor ich meinen Lernplan aufstelle.

Deinen Ausgangspunkt messen

Nimm eine aktuelle Aufgabe oder einen überschaubaren Teil daraus. Bearbeite ihn zunächst ohne Zeitdruck, aber ohne sofort in die Lösung zu schauen. So erkennst Du, ob Dir Wissen, Verständnis oder vor allem Routine fehlt.

Danach folgt eine Übung mit Zeitlimit. Wenn die unbeschränkte Antwort gut ist und die zeitbegrenzte unvollständig bleibt, brauchst Du nicht zwangsläufig noch ein Lehrbuch. Vielleicht musst Du schneller Fundstellen finden, knapper schreiben oder früher von der Analyse zur Antwort wechseln.

Lernzeit konkret eintragen

„Am Wochenende lerne ich“ klingt nach einem Plan und ist häufig keiner. Trage ein, welche Aufgabe Du wann bearbeitest und wann Du sie nacharbeitest. Berücksichtige Arbeit, Familie, Erholung und Tage, an denen etwas dazwischenkommt.

Eine M3.1-Simulation dauert 2027 beispielsweise 2 Stunden und 50 Minuten. Danach brauchst Du einen eigenen Termin für den Vergleich mit der Lösung und die Auswertung. Für M3 gehört außerdem das Zusammenspiel der drei erforderlichen Teile zur Vorbereitung; ein guter Einzeltest sagt noch nicht alles.

Ich würde zunächst für einige Wochen planen und danach prüfen, ob die Annahmen stimmen. Ein Kalender, der nur unter idealen Bedingungen funktioniert, wird im Alltag schnell zur Quelle schlechten Gewissens.

Hilfsmittel während der Arbeit entwickeln

Lege Fragen, Fundstellen und Formulierungshilfen so ab, dass Du später weißt, wofür sie gedacht waren. Bei einer Fristenfrage kann daraus beispielsweise eine Checkliste für Auslöser, Berechnung, Rechtsfolge und möglichen Rechtsbehelf werden.

Versuche aber nicht, vor der ersten Übung die perfekte Sammlung zu bauen. Die Aufgaben zeigen Dir, welche Hilfen Du wirklich brauchst. Eine übersichtliche Seite, die Du sicher verwendest, kann wertvoller sein als ein Ordner, in dem Du lange suchst.

Lerngruppe und Mentor sinnvoll nutzen

Eine Lerngruppe hilft besonders beim Gegenlesen und beim Erkennen eigener blinder Flecken. Nicht jeder muss ständig gemeinsam lernen. Vereinbart konkrete Aufgaben und besprecht die Stellen, an denen Eure Antworten voneinander abweichen.

Ein Mentor mit Erfahrung im aktuellen Format kann zusätzliche Orientierung geben. Das muss kein bestimmtes Alter oder Abschlussjahr sein. Entscheidend ist, dass er die heutigen Anforderungen kennt und auch eine vermeintlich dumme Frage ohne großes Theater beantwortet.

Unverbrauchte Aufgaben aufheben

Ich würde mir von Anfang an einige Aufgaben für eine spätere Simulation zurücklegen und sie bis dahin möglichst nicht näher ansehen. Wenn Du die Musterlösung schon durchgearbeitet hast, erinnerst Du Dich vielleicht noch Monate später an den entscheidenden Knackpunkt. Du kannst aus der Aufgabe dann immer noch etwas lernen. Ob Du denselben Punkt in einer unbekannten Aufgabe rechtzeitig gefunden hättest, weißt Du damit aber noch nicht.

Bei einer Simulation hältst Du die tatsächlichen Zeiten, erlaubten Hilfsmittel und Pausen ein. Für 2027 gehört das Arbeiten ohne Vorabausdruck dazu. Ein kurzer Blick ins Internet oder eine zusätzliche Pause kann beim Lernen sinnvoll sein; beim Leistungstest verändert er die Bedingungen.

Interessanterweise empfiehlt inzwischen auch der Vorbereitungsleitfaden des EPA ausdrücklich, einige der begrenzt verfügbaren Aufgaben für die Zeit näher an der Prüfung aufzuheben.

Zeit für den letzten Feinschliff lassen

Ich habe aus Vorbereitungskursen besonders viel mitgenommen, wenn ich schon eigene Lösungsversuche und konkrete Fragen mitbrachte. Plane danach noch Zeit ein, um die erkannten Lücken zu schließen. Ein Kurs kurz vor der Prüfung kann sonst viele gute Hinweise liefern, die Du nicht mehr einüben kannst.

Für eine konzentrierte Lernphase kann ein fester ruhiger Arbeitsplatz helfen. Es muss nicht gleich der Rückzug in ein Kloster sein, auch wenn ich diese Möglichkeit früher durchaus ernst gemeint habe. Entscheidend ist, dass Deine Umgebung und Dein Plan zusammenpassen.

Mein Maßstab wäre am Ende nicht die Zahl der abgesessenen Stunden: Kannst Du die erforderlichen Aufgaben mit den zugelassenen Mitteln in der vorgegebenen Zeit zuverlässig bearbeiten? Daran solltest Du Deinen nächsten Lernschritt ausrichten.

Der Vorbereitungsleitfaden des EPA

Das EPA hat inzwischen einen recht ausführlichen Leitfaden zur Vorbereitung auf die EQE. Er ist mehr als eine Sammlung von Literaturhinweisen. Besonders interessant finde ich den Gedanken, die Vorbereitung über die Ausbildungszeit hinweg aufzubauen, anstatt erst im letzten Jahr mit eigentlichem Klausurtraining anzufangen.

Im ersten Jahr stehen EPÜ und PCT sowie F im Vordergrund. Gleichzeitig empfiehlt der Leitfaden schon dort, Fähigkeiten zu entwickeln, die später in M1 und M3 gebraucht werden: Informationen aus einem Mandantenschreiben herausarbeiten, Ansprüche entwerfen, Änderungen und Argumente entwickeln und sich – soweit möglich – auch mit Angriffen auf fremde Schutzrechte beschäftigen. Im zweiten Jahr rücken M1 und M2 stärker in den Vordergrund. Die praktische Arbeit an Ansprüchen, Verteidigung und Angriff soll daneben weiterlaufen. Im dritten Jahr folgt dann die gezielte Vorbereitung auf M3 und M4 mit vollständigen Aufgaben und Arbeiten unter Zeitdruck.

Das würde ich nicht als starren Dreijahresplan verstehen. Wer später einsteigt, Befreiungen hat oder mehrere Aufgaben in einer Sitzung schreiben möchte, braucht zwangsläufig einen anderen Ablauf. Der Grundgedanke gefällt mir aber: Die einzelnen Prüfungen bauen aufeinander auf, und auch die Vorbereitung sollte das tun. Ein Anspruchsentwurf wird nicht dadurch zuverlässig, dass wir ihn erst einige Monate vor M3.1 zum ersten Mal üben.

Einen Rat aus dem Leitfaden finde ich besonders praktisch: Verbrauche nicht alle verfügbaren Aufgaben zu früh. Es gibt nur eine begrenzte Zahl wirklich unbekannter Prüfungsfälle. Einige davon solltest Du für die letzten Monate aufheben, wenn Du wissen möchtest, ob Deine Methode auch ohne Erinnerung an eine Musterlösung funktioniert. Genau deshalb unterscheide ich beim Lernen zwischen einer Aufgabe, an der wir etwas ausprobieren, und einer Aufgabe, mit der wir unseren tatsächlichen Stand testen.

Die derzeit verfügbare Fassung ist die 14. Auflage vom Oktober 2025. Auf der EPA-Seite ist eine Ausgabe 2026 bereits angekündigt, aber noch nicht eingestellt. Achte deshalb beim Herunterladen auf den Stand. Der Leitfaden ersetzt außerdem nicht die aktuellen Prüfungsregeln und Mitteilungen.

Text überarbeitet am 20. Oktober 2026.