Bei meiner Vorbereitung auf den A-Teil habe ich versucht, mir einen möglichst verlässlichen Ablauf anzugewöhnen. Ich wollte die Aufgabe erst verstehen und meine Gedanken ordnen, bevor ich mit den Ansprüchen anfing. Das würde ich für M3.1 im Grunde genauso machen. Das Entklammern, Lochen und Aufkleben aus meinem früheren Ablauf kannst Du Dir heute natürlich sparen. Dafür musst Du mit den Unterlagen am Bildschirm zurechtkommen und 2027 nach 2 Stunden und 50 Minuten fertig sein.
Ich beschreibe Dir hier die einzelnen Arbeitsschritte. Einen ersten Zeitplan für 170 Minuten findest Du unter Bewertung und Zeiteinteilung für M3.1: 45 Minuten Analyse, 45 Minuten unabhängiger Anspruch, 40 Minuten Rückfallpositionen, 25 Minuten Einleitung und 15 Minuten Kontrolle. Die Zeiten würde ich zunächst an der Probeaufgabe ausprobieren und anschließend anpassen.
1. Den Auftrag festhalten
Bevor Du Dich in die Technik stürzt, lies, was Du abgeben sollst. Welche Anspruchskategorien werden benötigt? Wie viele Ansprüche oder Rückfallpositionen sind verlangt? Gibt es eine Begrenzung für die Beschreibungseinleitung? Sollst Du zusätzlich etwas erklären?
Ich würde mir dafür gleich zu Beginn eine knappe Übersicht anlegen. Bei der M3.1-Probeaufgabe stünden dort: ein unabhängiger Anspruch, fünf Rückfallpositionen und eine Einleitung mit höchstens 2.000 Zeichen. Dann kann ich den fertigen Entwurf am Ende direkt danebenlegen.
Mir half früher eine vertraute Anfangsroutine, um in die Arbeit hineinzukommen. Heute würde ich dafür die Antwortbereiche und eine kleine Notizübersicht vorbereiten. Entscheidend ist, dass die Routine wenig Zeit kostet und Dich tatsächlich zur Aufgabe führt.
2. Das Mandantenschreiben verstehen
Beim ersten Lesen geht es um die „Adlerperspektive“: Was ist die Erfindung, welches Problem löst sie und was will der Mandant schützen? Danach folgt die „Maulwurfperspektive“ mit den Einzelheiten.
Formulierungen wie „muss“, „wesentlich“, „besonders gute Ergebnisse“, „vorzugsweise“ oder „wirtschaftlich uninteressant“ sind für mich kleine Botschaften des Aufgabenstellers. Ich markiere deshalb jeweils den Hinweis zusammen mit dem Merkmal, auf das er sich bezieht. Wenn später nur „notwendig“ gelb leuchtet, muss ich die Stelle erst wieder lesen; „Metallsubstrat … notwendig“ sagt mir dagegen sofort, welche Entscheidung beim Anspruchsentwurf ansteht. Ausführlicher erkläre ich diese Leseweise unter Was uns Schlüsselworte verraten.
Ich würde vier Dinge auseinanderhalten: notwendige Merkmale, mögliche Rückfallpositionen, technische Wirkungen und Einschränkungen des Auftrags. Notiere auch Definitionen. Wenn zwei Unterlagen unterschiedliche Begriffe für denselben Gegenstand verwenden, musst Du die Verbindung verstehen und nötigenfalls erklären können.
Bei Versuchsreihen frage ich mich: Was wurde verändert, was gemessen und welcher Vergleich trägt die behauptete Verbesserung? Gerade in chemischen Aufgaben kann man sich sonst von einer eindrucksvollen Zahl beeindrucken lassen, die für den beabsichtigten Anspruch wenig aussagt.
Aus den Markierungen mache ich anschließend eine kurze Arbeitsübersicht: „möglicher Anspruchskern“, „Rückfallposition“, „technische Wirkung“ und „Auftrag“. Daneben stehen die Fundstelle und die Frage, die noch offen ist. Das ist der Zwischenschritt, der die Farben für mich nützlich macht: Beim Lesen der Druckschriften suche ich nun gezielt danach, ob der vermutete Kern schon bekannt ist und welcher Unterschied die beschriebene Wirkung erklärt. Die Schritt-für-Schritt-Übung zu A 2026 zeigt diesen Weg vom markierten Schreiben bis zum ausformulierten Anspruch. Sie enthält die Lösung; wer die Aufgabe zunächst selbst bearbeiten möchte, sollte sich diese Lektüre für die Auswertung aufheben.
3. Bei vielen Varianten: die Merkmale in einer Tabelle ordnen
Bei manchen Aufgaben habe ich meine ursprüngliche Methode der Farbmarkierung noch einen Schritt weitergeführt. Wenn das Mandantenschreiben viele unterschiedliche Stoffe, Zahlenbereiche oder Ausführungsformen enthielt, habe ich die Merkmale in einer Tabelle vom Allgemeinen zum Speziellen geordnet. Die Spalten in meinen alten Arbeitsblättern heißen deshalb „Generic Term“, „1. Restriction“ und „2. Restriction“: Links steht die allgemeinste offenbarte Fassung, rechts daneben folgen die engeren Ausführungsformen. So konnte ich beim Entwerfen der Ansprüche auf einen Blick sehen, welche Abstufungen das Mandantenschreiben überhaupt hergab.
Nehmen wir als Beispiel ein Gewichtsverhältnis: In der ersten Spalte steht „1:1 bis 6:1“, in der zweiten das besonders günstige Verhältnis „4:1“. Für diese Zeile bleibt die dritte Spalte leer. Bei anderen Merkmalen kann sie eine weitere offenbarte Abstufung aufnehmen, etwa nach „Alkohol“ und „mehrwertiger Alkohol“ einen konkret genannten Stoff. Andere Zeilen können etwa die Art des Substrats, die Bestandteile einer Beschichtung oder einzelne Verfahrensbedingungen enthalten. Das Grundprinzip meines Analyseblatts lässt sich dafür ebenfalls nutzen.
Erst danach gehe ich mit dieser Übersicht durch D1 und D2. Wenn ich ein Merkmal dort klar offenbart finde, rahme ich das betreffende Tabellenfeld in der Farbe der Druckschrift ein, beispielsweise orange für D1 und magenta für D2. Im Beispiel würde der Bereich „1:1 bis 6:1“ also einen magentafarbenen Rahmen bekommen, wenn er in D2 steht. Das Feld mit „4:1“ bliebe ohne diesen Rahmen, wenn ich dort keine entsprechende Offenbarung finde. Dazu notiere ich die genaue Fundstelle. Gerade bei vielen Einzelwerten erspart mir das später einiges an Blättern und Suchen.
Die Schwäche dieser Darstellung liegt allerdings darin, dass ein Tabellenfeld schnell mehr zu sagen scheint, als tatsächlich darinsteht. Der magentafarbene Rahmen zeigt zunächst nur: Diesen Bereich habe ich in D2 gefunden. Er zeigt noch nicht, ob D2 ihn etwa nur zusammen mit einem bestimmten Ausgangsstoff oder einer zusätzlichen Verfahrensbedingung offenbart. Auch die Auswahl aus mehreren getrennten Listen lässt sich mit solchen Rahmen allein schlecht abbilden. Welche Merkmale in welchem Zusammenhang zusammen offenbart sind, muss ich deshalb an der Fundstelle prüfen und gegebenenfalls daneben notieren, etwa „nur zusammen mit Stoff X“ oder „getrennte Listen“. Auch ein engeres Beispiel in D2 kann meinen breiteren Anspruch vorwegnehmen, wenn es sämtliche Anspruchsmerkmale zusammen zeigt.
Gerade unser Beispiel zeigt, wie die Tabelle sonst in die falsche Richtung führen kann: Der breite Bereich ist magenta eingerahmt, der Wert „4:1“ nicht. Da liegt es nahe, für den Anspruch gleich auf „4:1“ auszuweichen. Vielleicht unterscheidet sich die beabsichtigte Merkmalskombination aber bereits an einer anderen Stelle von D2, sodass der ganze Bereich „1:1 bis 6:1“ erhalten bleiben kann. Dann hätte ich mich durch die hübsch sortierte Tabelle zu einer unnötigen Beschränkung verleiten lassen. Umgekehrt folgt aus einem freien Feld auch noch nicht, dass die betreffende Anspruchsfassung neu ist. Die Rahmen sind also eine Fundstellenübersicht; die Beurteilung der Merkmalskombination nehmen sie mir nicht ab.
Heute würde ich diese ausführliche Matrix deshalb gezielt bei Aufgaben einsetzen, in denen viele Werte oder Varianten sonst kaum überschaubar wären. Ihr Aufbau kostet Zeit, und die muss sie mir bei der weiteren Arbeit wieder einsparen. Bei einer übersichtlichen Aufgabe reichen mir eher die Markierungen im Schreiben und ein paar stichwortartige Notizen zu Anspruchskern, Rückfallpositionen und offenen Fragen. Das würde ich beim Üben vergleichen: Wo bringt mir die Tabelle tatsächlich Übersicht, und wo bin ich ohne sie schon längst beim Anspruchsentwurf?
In den älteren Abbildungen unten habe ich außerdem mögliche Unterschiede zum Stand der Technik grün hinterlegt. Das war ein weiterer Auswertungsschritt und nicht dieselbe Bedeutung von Grün wie bei der Markierung möglicher Rückfallpositionen im Mandantenschreiben. Die grünen Felder halten meine damalige Einschätzung möglicher Unterschiede fest.
4. Den Anspruchssatz entwerfen
Die Anspruchskategorie würde ich vom Geschäftsmodell und der Erfindung her wählen. Ein Erzeugnisanspruch kann verschiedene Herstellungswege abdecken, ein Verfahrensanspruch gerade den wirtschaftlich interessanten Prozess schützen. In A 2026 waren beide nebeneinander sinnvoll. Das Mandantenschreiben gibt dafür meist gute Anhaltspunkte.
Prüfe beim unabhängigen Anspruch die Offenbarungsgrundlage, die technische Funktionsfähigkeit, Klarheit, Neuheit und erfinderische Tätigkeit. Weshalb ist gerade diese Merkmalskombination erforderlich? Welche Beschränkung würde einen unnötigen Teil des gewünschten Schutzes aufgeben?
Bei A 2026 konnte ein durch Eigenschaften bestimmter Erzeugnisanspruch 20 Punkte erreichen, die bewertete Product-by-Process-Fassung dagegen 15 Punkte. Beim Üben würde ich beide Fassungen nebeneinanderlegen und vergleichen, welchen Schutz sie bieten. Bleibt am Ende ein ernsthafter Zweifel an der tragfähigen Breite, würde ich nach meiner unter Bewertungspraxis erläuterten Abwägung eher eine gezielte zusätzliche Beschränkung in Kauf nehmen.
Danach kommen die abhängigen Ansprüche. Sie sollen sinnvolle Rückfallpositionen sichern. Formulierungen wie „vorzugsweise“ machen ein Merkmal nur fakultativ; eine echte Rückfallposition muss den Anspruch tatsächlich beschränken. Prüfe auch die Rückbezüge.
5. Die Einleitung passend zu den Ansprüchen schreiben
Beschreibe das relevante technische Gebiet und den maßgeblichen Stand der Technik. Erkläre die Aufgabe und wie die beanspruchte Erfindung sie löst. Die Einleitung muss zu den endgültigen Ansprüchen passen; eine pauschale Behauptung besonderer Vorteile genügt nicht.
Eine kurze Gliederung mit Stand der Technik, Aufgabe und Lösung erleichtert mir diese Arbeit. Für die Einleitung gab es in A 2026 15 Punkte, in der M3.1-Probeaufgabe 20 Punkte. Dafür lohnt es sich, einen eigenen Zeitblock einzuplanen. Mit dem Rahmen von 2.000 Zeichen aus der Probeaufgabe lässt sich das knappe Formulieren gut trainieren.
6. Mit dem Auftrag gegenlesen
Am Ende kontrolliere ich nicht nur die Grammatik. Sind alle verlangten Kategorien und Rückfallpositionen vorhanden? Sind die Ansprüche widerspruchsfrei und richtig rückbezogen? Deckt der Anspruch das wirtschaftlich interessante Produkt ab? Stimmen Einleitung und Anspruchssatz überein? Ist der vollständige Text im richtigen Antwortbereich gespeichert?
Für das Gegenlesen sind in meinem Zeitplan 15 Minuten vorgesehen. Dabei würde ich besonders auf die Übereinstimmung von Anspruchssatz und Einleitung sowie auf Rückbezüge und versehentlich stehen gebliebene Alternativen achten.
Die Aufgaben und Berichte zum Nacharbeiten stehen im EPA-Compendium. Zur Einordnung der Punkte siehe Die Bewertungspraxis bei Teil A.
So habe ich die Merkmale in der Tabelle geordnet
Die folgenden Abbildungen aus meinem früheren Beitrag zeigen, wie ich zunächst die Merkmale des Mandantenschreibens vom Allgemeinen zum Speziellen geordnet und anschließend die Fundstellen aus D1 und D2 ergänzt habe. Sie veranschaulichen die ausführliche Variante der Methode, die mir vor allem bei Aufgaben mit vielen Einzelwerten und Ausführungsformen geholfen hat. Die Zusammenhänge zwischen den Merkmalen lassen sich aus den Farben allein allerdings nicht ablesen; genau dafür brauchte ich weiterhin die Druckschriften und meine Notizen daneben.
Text überarbeitet am 28. September 2026.




