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Über Nico

/_/_/_/_/_/_/_/_/_/_/_/_/_/_/_/_/_/_/_/_/_/_/_/_/ Dr. rer. nat. Dipl. Biochem. Patentanwalt European Patent Attorney European Trademark and Design Attorney /_/_/_/_/_/_/_/_/_/_/_/_/_/_/_/_/_/_/_/_/_/_/_/_/

Selbstorganisation: Nützliche Tools

Kennst Du das? Du bist unterwegs in der U-Bahn und plötzlich kommt ein Gedanke für Deine Lernvorbereitung auf den Du  gerne sofort festhalten willst?

Abhilfe schafft hier natürlich der gute, alte Notizzettel mit dem Du die Frage schnell festhalten kannst und somit den Kopf wieder „frei bekommst“.

Allerdings hat diese „Zettelwirtschaft“ auch Nachteile. Je nachdem wie organisiert Du bist, kann es durchaus vorkommen, dass diese Zettel auch verloren gehen. Außerdem ist nicht gesagt, dass man auch immer einen Zettel zur Hand hat, wenn man ihn braucht um einen Gedanken festzuhalten (z.B. in der U-Bahn oder im Auto).

Ich nutze daher sehr gerne Apps, die idealerweise plattformübergreifend eigensetzt werden können, und mit denen ich schnell meine Gedanken – nicht nur in einer Lernsituation – festhalten kann.

Drei Tools, die in diesem Sinne sehr gut funktionieren will ich hier kurz vorstellen:

Wunderlist

Wunderlist ist eigentlich primär als elektronische „to do“-Liste bzw. „Getting-things-Done“-Liste gedacht. Das Tolle an Wunderlist ist, dass diese App kostenlos ist und sowohl auf Android als auch auf Apple-Systemen läuft.

Somit ist die App immer in der Nähe: Auf meinem iPhone, meinem Samsung-Smartphone, auf meinem iPad und sogar auf meinem Computer.

Die Bedienung ist denkbar einfach. Intuitiv lassen sich Listen mit offenen Punkten erstellen, die man dann durch abhaken auch wieder abarbeiten kann. Eine Notizfunktion erlaubt auch längere Einträge innerhalb eines Listeneintrags. Die Einträge können auf verschiedene Arten sortiert werden und man kann die Listen sogar mit anderen Menschen teilen (z.B. eine Einkaufsliste). Wunderlist gleicht alle eingegebenen Daten über die Geräte ab, auf denen ein Nutzer angemeldet ist.

Ich nutze Wunderlist regelmäßig, um schnell Gedanken festzuhalten – unter anderem über welches Thema ich den nächsten Blogartikel schreiben will.

Evernote

Evernote ist eine Art elektronisches Notizbuch. Auch Evernote funktioniert plattformübergreifend und gleicht alle eingegebenen Daten über die Geräte ab, auf denen ein Nutzer angemeldet ist.

Evernote kommt in einer kostenlosen Basisversion, bei häufiger Nutzung auf mehr als zwei Geräten wird man aber eher auf die Plus- oder Premiumversion umsteigen wollen, die als Abo-System aufgebaut sind und € 29,99 bzw. € 59,99 im Jahr kostet.

Im Vergleich zu Wunderlist ist Evernote sehr viel umfangreicher. Das Ziel von Evernote ist das Sammeln, Ordnen und Finden von Notizen, Dokumenten und Fotos in verschiedensten Formaten. Daher lassen sich bei Evernote alle möglichen multimedialen Mittel nutzen, wie z.B. Audioaufnahmen und Fotografien, um Gedanken und Punkte festzuhalten. Selbst Handschriften sollen erkannt werden (obwohl ich diese Funktion bisher noch nie genutzt habe).

Durch das Einbinden von Multimedia-Dateien ist Evernote noch besser geeignet auch komplexere Fragestellungen festzuhalten. So könnte man z.B. beim Lernen eine Idee einfach diktieren oder per Foto festhalten, anstatt sie langwierig einzutippen.

Es ist ein wenig Geschmacksache, ob man diese Komplexität braucht oder eher mit dem einfacheren Wunderlist besser zurecht kommt.

Trello

Vielleicht kennt ihr die Organisation von Aufgaben mit Hilfe von „post-it“-Klebezetteln? Nun, Trello ist die elektronische Umsetzung dieses Konzepts.

Gerade wenn man in einer Lerngruppe arbeitet und seine Aufgaben unter verschiedenen Teilnehmern aufteilt, ist Trello sehr gut geeignet den Überblick darüber zu behalten, wer was gerade macht und das schon bearbeitet wurde bzw. noch aussteht.

Als Projektmanagementsoftware ermöglicht es Trello auf sogenannten Boards gemeinsam mit anderen Mitgliedern Listen zu erstellen. Diese Listen können beliebig bearbeitet und mit Checklisten, Anhängen und einem festgelegten Termin versehen werden.

Aufgaben können schnell von einem Teilnehmer zum anderen verschoben werden und man behält dennoch stets den Überblick.

Auch Trello funktioniert plattformübergreifend und gleicht alle eingegebenen Daten über die Geräte ab, auf denen die Nutzer angemeldet sind.

Alle Grundfunktionen der Anwendung können kostenlos genutzt werden, z. B. ein Board erstellen und mit anderen Mitgliedern bearbeiten. Allerdings sind Extrafunktionen wie Hintergrundbilder und Sticker nur für kostenpflichtige Gold-Accounts freigeschaltet.

Unterbrechungen vermeiden

Sicherlich kennst Du den „Flow“? Damit ist der Gemütszustand gemeint bei dem man wirklich zu 100% in einer Sache drin ist. Man ist völlig fokussiert und merkt gar nicht wie die Zeit verfliegt. Das tolle an dem „Flow“ ist nicht nur, dass man hier sehr produktiv arbeitet, sondern auch, dass die Arbeit gar nicht als belastend wahrgenommen wird, sondern man sich vielmehr regelrecht beflügelt fühlt.

Wäre es nicht schön, wenn man auch den Lernmodus für die EQE im „Flow“ durchführen könnte?

Nun, das kann man, wenn man ein paar einfache Regeln beachtet:

Eine wichtige Regel ist, dass man sich nicht unterbrechen lassen darf. Studien zeigen, dass man in der Regel 20 Minuten braucht, um überhaupt in den „Flow“ zu kommen, also sich so fokussiert einer Sache zugewendet hat, dass man völlig darin aufgeht.

Leider sind die modernen Kommunikationsmedien absolute „Flow“-Killer, denn Email, WhatsApp, Twitter & Co. Unterbrechen unsere Aufmerksamkeit im Minutentakt.

Daher ist es eine wichtige Voraussetzung um in den richtigen Lern-„Flow“ zu kommen alle Ablenkungen dieser Art abzuschalten.

Schalte das Telefon ab (vollkommen stumm, nicht nur auf „lautloses Vibrieren“) und den Computer am Besten erst gar nicht ein. Erinnerungen und Email-Alerts sollten natürlich auch nicht stören. Sage Deiner Familie, dass sie Dich nicht stören dürfen und schließe die Tür ab. Wenn du daheim nicht die notwendigen Maßnahmen erreichen kannst, die Du für vollkommene Ungestörtheit brauchst, dann gehe in den Leseraum eine Bibliothek oder gehe für ein paar Wochen in ein Kloster ohne WLAN und Handy-Empfang (kein Witz!).

Wenn Du einmal im Lern-„Flow“ warst, wirst Du feststellen um wie viel effektiver Du den Stoff verstehst, durchdringst und auch behältst.

Ein fokussiertes Ziel pro Tag

Wenn Du dazu neigst, Dich schnell vom Tagesgeschäft ablenken zu lassen, dann empfehle ich Dir noch einen weiteren Tipp: Anstatt zu viele verschiede Lern-Ziele bzw. lange „to-do“-Listen für ein Tag aufzusetzen, solltest Du Dir ein einziges echtes Ziel pro Tag setzen. Wichtig ist, dass Du dieses Ziel als erste Handlung des Tages vor allen anderen angehst. Gleich nach der Morgenroutine, z.B. Ankunft im Büro und erstem Kaffee, legst Du los. Also noch bevor Du Deine morgendlichen Emails checkst, Telefonate führst, mit den Kollegen redest oder in einer anderen Form in das Tagesgeschehen eintauchst.

Selbst heute wende ich diese Methode noch im Alltagsgeschäft gelegentlich an wenn es zu stressig wird und ich das Gefühl habe, der Alltag „frisst“ die wichtigen Aufgaben auf: Die ersten ein bis maximal zwei Stunden gehören morgens einer ausgewählten Aufgabe, die ich konzentriert ohne Telefon, Email, ja sogar idealerweise ohne Einschalten des Computers und notfalls mit einem „Bitte nicht stören“-Schild an der Tür abarbeite.

Auf diese Weise komme und bleibe ich im „Flow“ und habe schon morgens eine wichtige Aufgabe erledigt. Das befreit und motiviert für den ganzen Tag.

Doch was ist wenn etwas dringend ist?

Glaube mir, nur die wenigsten Ereignisse sind so dringend, dass sie nicht auch noch in ein, zwei Stunden erledigt werden können.

Durch die schnellen Kommunikationsmittel haben wir uns angewöhnt uns unter Druck setzen zu lassen bzw. auch andere unter Druck zu setzen, wenn diese nicht sofort antworten. Hier muss man seine Kommunikationspartner auch ein Stück weit erziehen.

Denn wer auf jede Nachricht innerhalb von wenigen Minuten reagiert, der schafft natürlich Ungeduld beim Kommunikationspartner, wenn die Antwort mal bis zum Nachmittag dauert. Die Folge sind Nachfrage-Nachrichten wie z.B. „Hast Du meine Email erhalten?“.

Wenn ich hingegen es zu meinem Grundsatz mache, dass ich z.B. nur zweimal am Tag meine Emails beantworte, dann lernen das meine Kommunikationspartner auch mit der Zeit und erwarten auch keine unmittelbare Antwort.

Im Grunde müssen wir alle lernen unsere Nachrichten besser zu Prioritisieren.

Eigentlich gibt es nur folgende Kategorien:

  • Wichtig
  • Dringend
  • Wichtig und dringend
  • Weder wichtig noch dringend

Wichtige Nachrichten, die aber auch noch morgen oder nächste Woche erledigt werden können lassen sich häufig gut mit Emails lösen. Eine solche wichtige Nachricht wäre z.B. die Ausarbeitung einer neuen Erfindungsmeldung. Hier lohnt es sich die Zeit zu nehmen in einem gut formulierten und ausführlichen Text in einer Email die anstehende Aufgabe niederzuschreiben, so dass alle Beteiligten eine gute Grundlage haben. Nachfolgefragen sollte man dann aber mittels anderer Kommunikationsplattformen besprechen, z.B. mit einer Telefonkonferenz.

Dringende Nachrichte, die aber nicht so wichtig sind, kann man mittels chatartigen Programmen, wie z.B. WhatsApp, Skype-Chat & Co. Verschicken. Hier sollte man aber in Kauf nehmen, dass der andere im Moment nicht gestört werden will und daher nicht antwortet. Ein Beispiel für eine dringende, aber eigentlich unwichtige Anfrage wäre z.B. ob der Kollege gleich zum Kaffeetrinken mitkommen will.

Bei wichtigen und dringenden Nachrichten muss man hingegen vereinbaren, dass ich immer nur über einen Kanal kontaktiert werde. Bei wichtigen und dringenden Nachrichten könnte man z.B. vereinbaren, dass immer angerufen werden soll oder dass die Sekretärin über eine spezielle Nummer versucht einen zu erreichen. Schon das Besprechen der Mailbox mit Bitte um Rückruf verbietet sich hier. Nur auf diese Weise kann ich mich als Empfänger darauf verlassen, dass eine solche wichtige und dringende Nachricht zu mir durchdringt und nicht irgendwo in meinem Email-Eingang verborgen liegt oder als hundertste WhatsApp-Nachricht im Posteingang verschüttet ist. Eine solche wichtige und dringende Nachricht wäre z.B. wenn ein Gerichtsvollzieher mit Besichtigungsverfügung beim Mandanten vor der Tür steht.

Wenn man ehrlich ist, sind die wichtigen und dringenden Nachrichten ganz große Ausnahmen, die selbst bei sehr beschäftigten Menschen nur vielleicht einmal im Monat auftreten. Gerade gute Planung im Voraus vermeidet, dass viele wichtige Nachrichten auch dringend werden, daher sollte man, wenn man häufig mit wichtigen und dringenden Nachrichten zu kämpfen hat, seine Tagesplanung genau überprüfen und verbessern.

Weder wichtige noch dringende Nachrichten sollte man übrigens ganz vermeiden oder in die Freizeitstunden (Mittagspause, Kaffeeepause, Feierabend) verlegen und möglichst mit kurzlebigen Kommunikationsmedien (mündlich, nicht gespeicherter Chat, etc.) austauschen.

Über Pausen und Auszeiten

Ich habe an einer Stelle in meinem Blog über den „Flow“ gesprochen, jenes Gefühl der fokussierten Arbeit, bei dem man die Zeit vergisst und die Arbeit produktiv von der Hand geht. Auf diese Weise kann man stundenlang über einem Thema brütenund merkt noch nicht einmal wie schnell die Zeit vergeht.

Bei aller „Arbeitswut“ ist es aber genauso wichtig regelmäßige Pausen einzubauen, da diese die Leistungs- und Konzentrationsfähigkeit erhöhen.

Daher solltest Du, wenn Du mit dem intensiven Lernen beginnst, unbedingt auch ein paar Grundregeln zu regelmäßigen Pausen berücksichtigen:

  1. Spätestens alle zwei Stunden solltest Du eine kurze Pause von 5-10 Minuten machen. Es gibt hierfür übrigens kleine Programme wie z.B. „Time-Out“, die Dich regelmäßig an die Pause erinnern.
  2. Rituale helfen nicht nur beim Überwinden des Inneren Schweinehundes zu Beginn einer Aufgabe, sondern helfen auch beim Pausieren. Zum Beispiel eine Kaffeepause am Vormittag oder eine Spazierpause am Nachmittag.
  3. Die Pause sollte eine echte Abwechslung von dem sein, was Du gerade tust. Beim Lernen ist das in der Regel eine sitzende Tätigkeit im Büro oder Lernraum. Hier bietet es sich an wirklich eine kurze Runde an der frischen Luft und bei Sonnenlicht einzubauen. Das bringt den Kreislauf in Schwung und verbessert auch die Laune. Auch kurze Auflockerungsübungen können das Wohlbefinden steigern.
  4. Natürlich sollte man für Pausen nicht warten, bis man vor Erschöpfung nicht mehr kann. Vielmehr sollten Pausen nach Abschluss einer Arbeit oder spätestens bei ersten Ermüdungszeichen gehalten werden.
  5. Wenn man es sich einrichten kann, kann auch ein nachmittäglicher „Power Nap“ Wunder wirken. Gerade um die Mittagszeit kämpfen viele darum ihre Konzentration hoch zu halten.

Die Vorteile des „Powernapping“ sind in vielen Studien inzwischen belegt:

  • „Powernapping“ wirkt sich positiv auf das Kurzzeitgedächtnis aus.
  • „Powernapping“ steigert die Leistung.
  • „Powernapping“ reduziert das Gewicht: Müde Menschen haben einen größeren Appetit auf fette und süße Lebensmittel.
  • „Powernapping“ schützt vor Herzkrankheiten: Wenn Sie drei Mal wöchentlich mittags eine halbe Stunde schlafen, können Sie Ihr Herzinfarktrisiko um 37 Prozent senken.
  • „Powernapping“ macht gute Laune: Wer wenig geschlafen hat, ist schnell gereizt. Ein Schläfchen steigert die Konzentration von Serotonin im Blut, einem Hormon, das die Stimmung hebt.
  • „Powernapping“ beugt Erschöpfungszuständen vor.

Dabei sollte man allerdings beachten, dass der Kurzschlaf nicht mehr als 20-30 Minuten dauern sollte. Die optimale Zeit ist zwischen 13 und 14 Uhr, am besten nach der Mittagspause. Damit es mit dem Einschlafen klappt, kann man sich Entspannungsmusik auf die Ohren spielen oder Entspannungstechniken wie Yoga oder autogenes Training üben.

Aller Anfang ist schwer

Gerade die Lerntypen, die zur „Aufschieberitis“ oder Prokrastination neigen, kennen das: Man sieht sich einer Aufgabe gegenüber und kann sich einfach nicht überwinden mit dieser zu beginnen. Man verschiebt den Beginn der Aufgabe immer weiter in die Zukunft und irgendwann bricht das große Chaos aus, weil die Prüfung schon bald bevor steht.

Dieses Vermeidungsverhalten ist auch ganz natürlich: Unser Körper will sich vor unangenehmen Aufgaben – und die Vorbereitung auf eine Prüfung zählt zweifellos dazu – schützen.

Routine hilft!

Um die Anfangsschwelle des „Loslegenmüssens“ zu überwinden hilft es häufig „Alltagstrigger“ zu nutzen. Was meine ich damit?

Nun, überlege mal, wie Deine morgendliche Aufstehroutine aussieht. Aufstehen, Duschen, Zähneputzen, Frühstücken, etc. Das alles läuft bei den Meisten so automatisch ab, dass man kaum noch darüber nachdenkt. Und das ist gut so, denn würde man jedes Mal neu anfangen über den Sinn des Zähneputzens nachzudenken, dann könnte es sehr schnell passieren, dass man diese Aufgaben auslässt oder in Frage stellt.

Umso weniger das (bewusste) Gehirn über Tätigkeiten nachdenken muss, umso weniger Chancen gibt es, dass sich hier Widerstände aufbauen, die zur Prokrastination führen können.

Das Tolle ist, dass wir diese Routinen nutzen können um auch neue Aufgaben, wie z.B. regelmäßiges Lernen, ebenfalls zu einer Routine werden zu lassen.

Wenn ich zum Beispiel festlege, dass ich jedes Mal nach meinem Nachmittagskaffee eine halbe Stunde EQE-Aufgaben löse, dann verknüpfe ich die etablierte Routine des Kaffeetrinkens mit dem neuen Verhalten des nachmittäglichen Lernens.  Das Kaffeetrinken wird so zum „Trigger“ für ein neues Verhalten, welches mit der Zeit ebenfalls zur Routine wird.

Natürlich muss man dieses neue Verhalten eine Weile beibehalten, damit es zur Routine wird, aber nach einiger Zeit stellt man fest, dass man (fast) nicht mehr über diesen Punkt nachdenkt.

Auf diese Weise kannst Du – allerdings immer in kleinen Schritten – ein umfangreiches Lernroutine-Programm aufbauen, dass durchaus mehrere Stunden umfassen kann.

10 Minuten-Trick

Der 10 Minuten-Trick ist ein Trick mit der Du die Hürde zum Anfang einer Arbeit überwinden kannst. Er funktioniert so: Du machst ein Versprechen mit Dir selbst, dass Du die vorliegende Aufgabe 10 Minuten lang konzentriert ausführen willst. Nach Ablauf der 10 Minuten darfst Du die Aufgabe jederzeit wieder beenden. Dazu kannst Du Dir gerne einen Timer oder ähnliches setzen, allerdings ohne das bei Ablauf der Zeit ein Signal zu hören ist.

Der Trick basiert auf der Erkenntnis, dass wenn Du erst einmal 10 Minuten mit einer Aufgabe beschäftigst bist, Du häufig erkennst, dass Du gute Fortschritte machst und es Dir gar nicht mehr so viel ausmacht, einfach weiter zu machen, bis die Aufgabe zu einem sinnvollen Ende geführt wurde.

Das erstaunliche dabei ist, dass der Trick funktioniert obwohl Du weißt, dass Du Dich gerade selbst austrickst!

Denn wenn erst einmal die Bücher ausgepackt sind, man erst einmal die ersten Prüfungsfragen nachgeschlagen und beantwortet hat, dann ist es gar nicht mehr so schlimm noch eine und noch eine weitere Aufgabe zu lösen.

In vielen Fällen wirst Du dann beim Blick auf die Uhr nach einer Weile überrascht feststellen, dass eigentlich schon viel mehr Zeit vergangen ist als die zehn Minuten, die Du Dir ursprünglich zugestanden hast.

Der „zehn-Minuten“-Trick hilft auf diese Weise sehr einfach über die Anfangsschwelle des „Loslegenmüssens“ hinweg.

Kenne Deine Tageszeiten

Es gibt Morgenmuffel und Frühaufsteher. Und es gibt auch über den Tag verteilt Phasen in denen man mehr Energie für Aufgaben aufwenden kann, als zu anderen Zeiten.

Daher ist es wichtig sich selbst zu kennen und den Tagesablauf entsprechend zu gestalten.

Es macht einfach keinen Sinn, wenn Du als Morgenmuffel Dir vornimmst jeden Morgen vor der Arbeit zwischen 5 und 7 Uhr zu lernen. Selbst wenn objektive Umstände, z.B. das Haus ist ruhig, die Familie schläft noch, auf der Arbeit passiert noch nicht viel, ideal zum Lernen geeignet scheinen. So früh morgens wirst Du nicht die Leistung bringen können, die Du brauchst.

Da ist es sinnvoller z.B. abends nach dem Abendbrot noch 2-3 Stunden in einem ruhigen Lernraum zu verbringen.

Außerdem unterscheiden sich die Aufgaben ja auch. Vielleicht fällt es Dir leichter vormittags aktiv Prüfungsaufgaben zu lösen, während Du nachmittags lieber Kommentare zu Rechtsfragen liest.

Welcher Lerntyp bin ich?

Es gibt viele unterschiedliche Persönlichkeiten. Daraus resultieren natürlich auch unterschiedliche Lernpersönlichkeiten.

Der Eine lernt gerne als stiller Autodidakt im abgeschlossenen Kämmerlein, der Andere braucht den ständigen Dialog mit Gleichgesinnten, der Dritte benötigt eine regelmäßige Anleitung durch gute Lehrer und Mentoren.

Manche lernen schnell mittels Texten, andere brauchen audio-visuelle Stimulation und andere Lerngruppen und sozialen Kontakt.

Da dies unzweifelhaft so ist, wäre es da nicht ein guter Gedanke, wenn Du Dich mal intensiver damit beschäftigen würdest, welcher Lerntyp Du eigentlich bist.

Es gibt viel Literatur zu diesem Thema und ich möchte auch nicht verschweigen, dass das Thema unter Psychologen recht umstritten ist. Während manche solche Persönlichkeitstests grundsätzlich ablehnen, halten andere diese Tests für ein wirksames Mittel um sich besser zu verstehen.

Ich als Laie habe für mich mitgenommen, dass man bei solchen Typenbestimmungen natürlich nicht in ein „Schwarz-Weiß“-Denken verfallen darf und jeder Mensch sicherlich in verschiedenen Situationen unterschiedliche Persönlichkeitscharakteristika zeigen wird, dennoch haben mir diese Tests geholfen meine eigene Persönlichkeit besser einzuschätzen und anhand der Stärken und Schwächen nicht nur mein Lernverhalten zu verbessern.

Doch ich will mich nicht weiter mit Theorie aufhalten, wer hier mehr in die Tiefe gehen will kann das gerne im Internet und der einschlägigen Literatur tun.

Ich will hier viel eher einen pragmatischen Ansatz beschreiben, wie Du mit wenigen Schritten Deinen (wahrscheinlichen) Lerntypus identifizieren kannst.

Schritt 1: MBTI-Persönlichkeitstest

Als Ausgangspunkt solltest Du einen MBTI-Test machen, wie er z.B. hier kostenlos angeboten wird. MBTI steht für Myers-Briggs-Typenindikator und ist vor allem im anglo-amerikanischen Raum sehr viel bekannter als bei uns. Es ist ein Instrument, mit dessen Hilfe die von Carl Gustav Jung entwickelten psychologischen Typen erfasst werden sollen.

Ich gebe zu, die Gültigkeit und Verlässlichkeit wird in der wissenschaftlichen Psychologie angezweifelt, allerdings habe ich die Erfahrung gemacht, dass bei ehrlichen Antworten und einer guten Fähigkeit zur Selbsteinschätzung ganz brauchbare Ergebnisse dabei herauskommen können.

Beim MBTI werden im Grunde vier Indikatoren mit jeweils zwei Präferenzen assoziiert und daraus einer von 16 möglichen Typen konstruiert. Dabei werden die 8 Präferenzen mit Großbuchstaben abgekürzt, die sich aus den englischen Bezeichnungen ableiten.

Die Indikatoren, Präferenzen (in runden Klammern) und der Ein-Buchstabencode (in eckigen Klammern) sind:

  • Motivation (Außenorientiert [E] vs. Innenorientiert [I])
  • Aufmerksamkeit (Intuition [N] vs. Sensorik [S])
  • Entscheidung (Denken [T] vs. Fühlen [F])
  • Lebensstil (Wahrnehmung [P] vs. Beurteilung [J])

Bei diesen Indikatoren und Präferenzen gibt es kein „Gut“ oder „Schlecht“, sondern eher Stärken und Schwächen bzw. Vorlieben und Abneigungen.

Ein außenorientierter Mensch ist z.B. kontaktfreudiger und breiter interessiert, ein innenorientierter Mensch konzentrierter und intensiver.

Natürlich ist kein Mensch z.B. ein reiner „Logiker“ (INTP) oder ein reiner „Unterhalter“ (ESFP). Allerdings wird kaum einer anzweifeln wollen, dass es durchaus Personen gibt, die z.B. immer den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit suchen, während andere ganz zufrieden sind, wenn sie für sich bleiben können.

Schritt 2: Übertragung von MBTI-Typen auf Lerntypen

A. Indikator „Motivation“

Außenorientiert [E]

Innenorientiert [I]

  • Aktive Lernmethoden werden angewandt, wie z.B. Debatten, Gruppendiskussionen, Brainstorming.
  • Präsentation durch des Materials durch Dritte
  • Suche Dir praktische Beispiele und versuche von da ausgehend die Lösung zu entwickeln.
  • Es ist gut jede Lerneinheit mit einer aktiven Tätigkeit zu beginnen und sich später theoretischen Grundkonzepte zuzuwenden.
  • Aktive Beschäftigung mit einem Thema , darüber Reden und anderen Inhalte erklären hilft Dir Neues zu lernen.
  • Von anderen unabhängige Arbeit mit dem Studienmaterial.
  • Selbststudium
  • Regelmäßige Eigenreflektion des Materials
  • Am Anfang möchtest Du neue Probleme in Ruhe durchdenken.
  • Nach dem Verständnis solltest Du versuchen die neuen Erkenntnisse in praktischen Übungen anzuwenden.
  • Zuhören und Mitschreiben hilft Neues zu lernen.

 

B. Indikator „Aufmerksamkeit“

Intuition [N]

Sensorik [S]

  • Präsentation des Materials durch verschiedene Blickwinkel und mittels verschiedener Medien
  • „Entdeckendes“ Lernen
  • Entwickeln und verstehen zugrunde liegender Theorien
  • Neues und Anspruchsvolles reizt Dich
  • Lernen in Metaphern hilft
  • Memotechniken anhand von bekannten Wegstationen hilft
  • Lineare, organisierte und gut strukturierte Lernmethoden
  • Ausgangspunkt sollte ein bekanntes Problem sein, von dem schrittweise die neue Problemlösung erarbeitet wird.
  • Aufeinander logisch aufbauende Übungen mit regelmäßigen Wiederholungen halten Dich motiviert.
  • Anwendungen von bekannten Stoffen auf praktische Beispiele wirken motivierend.
  • Ein detaillierter Zeitplan, der Dich Schritt für Schritt zur Prüfung bringt hilft Dir in der Regel.

C. Indikator „Entscheidung“

Denken [T]

Fühlen [F]

  • Klare definierte, objektive Lernziele
  • Problemlösung: Ausgangspunkt -> Weg -> Ergebnis
  • Erstellen von Lernplänen hilft: Alle Punkte identifizieren, die unklar sind und von dort den Lernplan entwickeln
  • Die Kenntnis von Lernlücken stärkt die Motivation
  • Fokus auf „harmonischen“ Lösungen, was ist für alle Beteiligten die beste Lösung?
  • Problemlösung: Ergebnis -> Weg -> Ausgangsstellung
  • Zeitplan von hinten nach vorne erstellen und Teilziele festlegen
  • Ablenkung durch die Bedürfnisse anderer Lernteilnehmer in Tempo und Inhalt vermeiden

D. Indikator „Lebensstil“

Wahrnehmung [P] Beurteilung [J]
  • Das Lernmaterial muss konkrete, lebensechte Beispiele enthalten
  • „Führung von Außen“, durch z.B. Kurse oder Schulungen sinnvoll
  • Lernmaterial spricht Neugier an
  • Lerntempo und Aufgaben sind abwechslungsreich, manchmal fast sprunghaft und werden immer wieder angepasst
  • Anfällig gegen Prokrastination
  • Aufschlüsselung von komplexen Problemen in Teilaufgaben hilft
  • 10-Minuten-Trick um Anfangsschwierigkeiten zu überwinden
  • Variable Wochen- und Tagesziele mittels Klebezettelchen sind besser geeignet als starre Checklisten.
  • Gute Eigenplanung
  • Selbst erstellte Checklisten
  • Selbst erstellte Tageslernpläne (die auch eingehalten werden)
  • Gut darin in Farbmarkierungstechniken wichtige Inhalte festzuhalten
  • Gut in Zusammenfassungen von Textinhalten
  • Das Abhaken oder Durchstreichen von Teilzielen motiviert

Schritt 3: Umsetzung in einen konkreten Lernplan

Ausgehend von den Tipps in der Tabelle besteht nun die Herausforderung an Dich daraus einen konkreten Lernplan zu erarbeiten bzw. die richtige Lernatmosphäre zu schaffen.

Hierzu nur ein paar Denkanstöße, sicherlich wirst Du selbst recht schnell den idealen Weg für Dich finden:

  • Wer eher durch praktische Beispiele lernt, wird viele Entscheidungen lesen und alte Aufgaben lösen.
  • Wer eher durch theoretische Grundlagen lernt, der wird vor allem zuerst die Gesetzestexte lesen und mit Hilfe der Kommentare zu verstehen versuchen.
  • Wer viel Interaktion und mündlichen Austausch braucht, wählt früh eine Lerngruppe und bucht rechtzeitig entsprechende Kurse.
  • Wer gerne für sich erst einmal einen neuen Stoff erschließt, der wählt für sich erst einmal einen stillen Lernraum und bucht mögliche Vorbereitungskurse eher am Ende, wenn es darum geht das Erlernte zu überprüfen und anzuwenden.
  • Wer sich gut an eigene to do-Listen hält, der stellt diese auf und motiviert sich indem er Erledigtes abhaken kann.
  • Wer eher flexibel lernen will, der hält seinen Lernplan eher mittels flexiblen Zwischenzielen fest und baut sich „externe Kontrollstationen“ in seinen Lernplan ein (z.B. ein regelmäßiges Treffen mit einer Lerngruppe, einem Tutor oder einem fest gebuchten Kurs).

Die Folge als Podcast:

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Beispiellösung für den neuen Teil B

Ab 2017 werden Teil A und Teil B umgestellt. Es wird dann nicht mehr getrennte Teile für Chemie und Elektrotechnik/Maschinenbau geben, sondern nur noch jeweils einen A- und einen B-Teil für alle Prüflinge. Die offizielle Verlautbarung der EPA-Prüfungskommission hierzu findet sich hier. Auf dieser Seite finden sich auch Probeaufgaben für die neuen Teile A und B.

Anlass genug für mich hier eine Beispiellösung für den neuen Teil B vorzustellen.

Folie1

Wie erwartet wird sich nicht viel ändern, ein paar Details aber doch. Für die Chemiker wird ggf. neu sein sich mehr mit den Formaten von mechanischen Ansprüchen beschäftigen zu müssen.

Für Mechniker ist ggf. neu, dass vermehrt Auswahl aus Listen und Bereichen eine Rolle spielen dürften. Doch wer hier die Entscheidungen T 198/84 und T 279/89 bzw. die drei Prüfungskriterien (enger Teilbereich, genügend Abstand, neue technische Lehre) kennt, wird sich hier nicht schwer tun.

Im Grunde bleibt aber das Meiste gleich.

Also los jetzt: Pack Deine Unterlagen für Teil B aus und versuche Deine Lösung. Du kannst es entweder erst einmal alleine versuchen oder gleich meine Musterlösung an die Seite legen.

Musterlösung_von_Teil_B als .pdf.

Du kannst Dir auch mein Video ansehen in dem ich meinen Lösungsweg beschreibe:

Viel Erfolg!

Beispiellösung für den neuen Teil A

Ab 2017 werden Teil A und Teil B umgestellt. Es wird dann nicht mehr getrennte Teile für Chemie und Elektrotechnik/Maschinenbau geben, sondern nur noch jeweils einen A- und einen B-Teil für alle Prüflinge. Die offizielle Verlautbarung der EPA-Prüfungskommission hierzu findet sich hier. Auf dieser Seite finden sich auch Probeaufgaben für die neuen Teile A und B.

Interessant ist auch das zugehörige Video, welches sich mit den Änderungen befasst.

Anlass genug für mich hier eine Beispiellösung für den neuen Teil A vorzustellen.

Folie1

Wie erwartet wird sich nicht viel ändern, ein paar Details aber doch. Für die Chemiker wird neu sein, dass ein vermehrtes Augenmerk auf die Definition der Merkmale gelegt werden muss. Es wird nun wichtig die verschiedenen Merkmale nach ihrer technischen (Gleich-)Wirkung zu bewerten.

So sind in der Beispielaufgabe die verschiedenen Layer im Mandantenschreiben und in den SdT-Druckschriften unterschiedlich definiert. Daher empfehle ich nun zur Ergänzung zu meinen bisherigen Tipps zum A-Teil, dass Du eine weitere Übersichtstabelle führen solltest in der Du einen Überblick über die verschiedenen Begriffe behältst.

Folie10

Für Mechaniker wird neu sein, dass andere Anspruchsformate, wie z.B. „product-by-process“ oder Verwendungsansprüche vermehrt in den Vordergrund rücken.

Das war es im Grunde aber auch schon.

Also los jetzt: Pack Deine Unterlagen für Teil A aus und versuche Deine Lösung. Du kannst es entweder erst einmal alleine versuchen oder gleich meine Musterlösung an die Seite legen.

Beispiellösung_von_Teil_A (Slides)

Update: Ich habe nun auch in einem Video nochmals genauer zu erklärt, wie ich mir den Lösungsansatz vorstelle. Ich hoffe es hilft Dir zu verstehen, auf welche Dinge man bei der Prüfung achten sollte.

Weitere Details zur Lösung findest Du natürlich auch in meinem eBook.

Viel Erfolg!

 

 

 

 

 

 

Verbotenes in der Prüfung

„Was ist in der Prüfung erlaubt und was nicht?“ Immer wieder wird diese Frage gestellt, obwohl die Antwort doch ganz leicht zu finden ist.

In den „Anweisungen an die Bewerber für den Ablauf der europäischen Eignungsprüfung“ Art. I, Nr. 9.) (Stand 19.02.2014) sind einige Dinge erwähnt, die in der Prüfung verboten sind:

9. Es ist den Bewerbern nicht gestattet:

a) elektronische Geräte – mit Ausnahme einer analogen Armbanduhr ohne Zusatzfunktionen – zur Vorprüfung oder Hauptprüfung mitzubringen, sofern deren Verwendung nicht ausdrücklich vom Prüfungssekretariat vorab genehmigt wurde;

b) Hefter oder sonstige Materialien zu verwenden, durch die andere Bewerber gestört werden könnten;

c) ihrer Arbeit vorbereitete Unterlagen (z. B. ein Abkürzungsverzeichnis und/oder einen Zeitstrahl) beizufügen;

d) Blätter ihrer Prüfungsantwort zusammenzukleben oder zusammenzuheften;

e) den Umschlag mit den Prüfungsaufgaben zu öffnen, bevor das Anfangssignal gegeben wurde, es sei denn, es liegt eine anderslautende Anweisung einer Aufsichtsperson vor;

f) in der Zeit zwischen dem Anfangs- und dem Schlusssignal mit anderen Bewerbern zu kommunizieren;

g) im Saal oder in anderen Teilen des Prüfungsgebäudes zu rauchen.

Hierzu ein paar Erläuterungen:

1. Elektronische Geräte

Diese Vorschrift klingt erst einmal unspektakulär und nachvollziehbar: Niemand soll sich einen Vorteil dadurch verschaffen können, indem er in ein elektronisches Gerät benutzt.

In der Praxis kann das aber durchaus zu Problemen führen. So ist es z.B. absolut wichtig immer in der Prüfung eine gute Übersicht über die verbrauchte und noch zur Verfügung stehende Zeit zu haben. Wie ich z.B. in einem Artikel über den D-Teil geschrieben habe, sollte man anhand der Punktzahlen berechnen wie viel Zeit man für jede einzelne Frage maximal aufwenden sollte, um nicht in Zeitverzug zu geraten (ähnliches gilt z.B. bei der Vorprüfung und insbesondere bei Teil C).

Analoge Armbanduhren und auch die analogen Uhren im Prüfungsraum (die noch dazu in manchen Prüfungsorten nicht immer gut zu sehen sind) sind nur bedingt dazu geeignet eine minutengenaue Abschätzung der Zeit vorzunehmen. Vor allem wenn man normalerweise Digitaluhren gewöhnt ist, kann das genaue Ablesen der Uhrzeit zur Herausforderung werden. Daher sollte man sich früh eine geeignete Armbanduhr zulegen und die Zeitabschätzung hier unter Realbedingungen bei der Prüfungsvorbereitung üben.

2. Smartphones/Handys

Da heutzutage Smartphones die Leistungsfähigkeit von Computern haben, ist es vollkommen einsichtig, dass sie in der Prüfung verboten sind. Die Prüfungsabteilung wird auch in Zukunft immer stärker darauf achten, dass die Prüflinge keine solchen Geräte mit in die Prüfung bringen. Insbesondere, nachdem auch in 2014 wieder Beschwerden geäußert wurden, dass manche Prüflinge auffällig oft die Toilette aufgesucht haben und der Verdacht im Raum steht, dass sie dort die Gelegenheit nutzten etwas auf ihrem Smartphone nachzuschlagen.

Ich denke zwar, dass man hierbei mehr Zeit verschenkt, als man durch das elektronische Nachschlagen gewinnen kann, aber es mag durchaus Fälle geben, in denen man die „alles entscheidende“ Entscheidung nicht finden kann und die Verführung groß ist, diesen Knoten mittels dem Smartphone zu lösen – sei es indem man irgendeine Datenbank befragt oder gar einen anderen Kollegen kontaktiert.

Es muss jeden klar sein, dass dies ganz klar Betrug ist und jedem Prüfling, der hierbei erwischt wird schwere Konsequenzen drohen. Ganz zu Recht, wie ich finde.

Problematisch ist das Smartphone in der Tasche jedoch für die vielen ehrlichen Prüflinge, die nie die Absicht hatten ihr Smartphone in der Prüfung zu nutzen. Gerade, wenn man direkt nach der Prüfung abreisen will und mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs ist, stellt sich hier das Problem, wo man das Smartphone während der Prüfung aufbewahren kann.

Inzwischen gibt es wohl an den meisten Prüfungsorten die Möglichkeit die Handys in einem Umschlag am „Infodesk“ abzugeben. Dies geschieht natürlich auf eigene Gefahr und es gibt keine Garantie, dass an jedem Prüfungsort diese Möglichkeit angeboten wird (siehe Kommentare unten auf der Seite).

Sicherheitshalber überlegt man sich vorher schon Alternativen, wo man sein Telefon während der Prüfung lässt.

3. Hefter

Hefter sind laut und stören somit andere Prüflinge (insbesondere an den Prüfungsorten an denen 100 oder mehr Prüflinge in einem Raum die Prüfung ablegen).

Außerdem dürfen die Unterlagen bei der Abgabe nur aus Einzelblättern bestehen, da alles kopiert bzw. eingescannt wird.

Allerdings sind einige Prüfungen dadurch gekennzeichnet, dass man zahlreiche Unterlagen bekommt, die man auswerten muss und bei denen man keines Falls den Überblick verlieren darf. Ich denke da insbesondere an den C-Teil.

Es ist allerdings erlaubt die Seiten zu lochen und von dieser Möglichkeit sollte man unbedingt Gebrauch machen. Ich habe im Beitrag „Ordnung auf dem Tisch“ beschrieben, wie man mit Hilfe von Locher, Heftstreifen und Ordnern dafür sorgt auch bei vielen verschiedenen Dokumenten nicht den Überblick zu verlieren.

4. Vorbereitete Unterlagen

Immer wieder werden Prüflinge dabei erwischt, dass sie vorgeschriebene Unterlagen mitbringen, die sie dann mit ihrer Lösung abgeben. Dadurch erschleichen sie sich einen unlauteren Zeitvorteil gegenüber den anderen Kandidaten.

Man sollte das daher niemals tun. Die Grenze ist ganz klar: Man darf vorbereitete Unterlagen – wie Checklisten oder Formulierungshilfen – mitbringen und dann abschreiben, es ist jedoch verboten diese Unterlagen direkt abzugeben.

Schlussbemerkung:

Man sieht also: Es empfiehlt sich, sich einmal die aktuellsten „Anweisungen an die Bewerber für den Ablauf der europäischen Eignungsprüfung“ genau durchzulesen und zu verinnerlichen. Das beugt unliebsamen Überraschungen in der Prüfung vor.

Viel Erfolg!

Habt ihr noch weitere Hinweise oder Anmerkungen zu dem Thema? Dann hinterlasst einfach einen Kommentar unten auf dieser Seite.

Fristenberechnung

Die richtige Berechnung von Fristen ist eine wichtige Übung in der EPA-Prüfung. Vor allem in den Teilen C und D ist ein richtiger Umgang mit Fristen unumgänglich.

Da man in der Prüfung unter Zeitdruck steht, sollte man sich nicht darauf verlassen, dass die Fristenberechnung ebenso fehlerfrei und schnell abläuft, wie daheim im stillen Kämmerlein.

Man sollte daher bei der Fristenberechnung folgende „Werkzeuge“ vorbereiten:

1. Rechenschieber oder Schablone

Je nach handwerklicher Fertigkeit kann man sich eine Art Rechenschieber oder drehbare Schablone basteln, mit deren Hilfe die Fristen schnell „berechnen“ kann. Vor allem für die „unrunden“ Fristen, wie z.B. die 16- oder die 31-Monatsfrist sehr hilfreich.

Ich hatte z.B. den alten Rechenschieber meines Vaters einfach auf der Rückseite mit einem wasserfesten Stift so mit Skalen versehen, dass ich sowohl die Tagesfristen, als auch die wichtigsten „unrunden“ Monatsfristen schnell einstellen und ablesen konnte.

Natürlich habe ich vorher beim Prüfungssekretariat nachgefragt, ob das Mitnehmen eines solchen Rechenschiebers zulässig ist und dabei folgende Antwort erhalten: 

Wie in den Anweisungen an die Bewerber für den Ablauf der europäischen Eignungsprüfung unter I) 4) geschrieben, dürfen Sie jegliche Bücher und Unterlagen mitbringen, die Sie für die Beantwortung der Prüfungsaufgaben als nützlich erachten. Daher ist Ihre Schablone wie unten beschrieben auch erlaubt. Sie dürfen sie aber nicht Ihrem Antwortblatt beilegen.

Ich fand, dass der Rechenschieber ein sehr hilfreiches Tool war, um auch in der Hektik der Prüfung sicher zu stellen, dass die Fristenberechnung korrekt ist.

2. Vorbereitete Datumsblätter

Ich hatte in der Vergangenheit empfohlen für die Prüfung ein vorbereitetes Datumsblatt für das aktuelle und die zurückliegenden zwei Jahre dabei zu haben.

Allerdings gibt es hier die Mitteilung des EPA von 2013 zu beachten. Danach sind nicht alle Zeiten, in denen eine der EPA-Niederlassungen geschlossen ist, auch im offiziellen Kalender vermerkt.

Die offiziellen Kalender enthalten also nicht unbedingt alle geschlossenen Tage, sodass Tage, an denen die Annahmestellen des EPA tatsächlich geschlossen sind, in den Kalendern unter Umständen nicht als geschlossene Tage gekennzeichnet sind.

Natürlich sind die offiziell mit den Prüfungsunterlagen mitgelieferten Datumsblätter für die Prüfung verbindlich. Dies gilt übrigens nicht nur für selbst angefertigte Datumsblätter, sondern natürlich auch für irgendwelche Fristenscheiben oder ähnliche Hilfsmittel, die die Schließtage kennzeichnen.

Bei allen diesen Unterlagen gilt: Bei einem Fehler in den eigenen Unterlagen hat man dann leider Pech gehabt.

Daher ist die Anfertigung und Mitnahme eines eigenen Kalenders auf eigenes Risiko!

Was Du aber dennoch machen kannst ist die Kalender der zurückliegenden Jahre in den alten Prüfungsunterlagen hernehmen und die Schließtage dort markieren. Für das aktuelle Jahr musst Du dann noch in der Prüfung mit einem Farbmarker alle relevanten Feiertage anhand der in der Prüfung mitgelieferten Tabelle eintragen.

So sparst Du immer noch Zeit und das Risiko eines Fehlers – so lange Du sorgfältig arbeitest –  kann gering gehalten werden.

 

3. Checkliste für die richtige Fristenberechnung

Natürlich darf auch eine Checkliste für die richtige Fristenberechnung nach dem EPÜ und dem PCT inklusive der richtigen Artikel und Regeln nicht fehlen.

Auch hier gilt: Vorher Gehirnschmalz reinstecken, damit man in der Prüfung (so gut wie) nicht mehr denken muss.

  • Wovon leitet sich die 10-Tagesfrist ab?
  • Gibt es Unterschiede bei Zustellung per Post oder Mailbox?
  • Was ist bei verspäteter Zustellung zu beachten?
  • Wann verlängern sich die Fristen automatisch (Wochenden, Feiertage, außergewöhnliche Störungen)?
  • usw.

Wie Du das technisch löst überlasse ich Dir. Ich habe z.B. zuerst mit einem einfachen Zettel und später dann mit Mindmaps experimentiert. In jedem Fall solltest Du diese „Werkzeuge“ früh erstellen und regelmäßig in Deinen Übungen verwenden, so dass Dir deren Gebrauch in „Fleisch und Blut“ übergeht.

4. Übersichtsliste

Hilfreich ist auch eine Übersichtsliste über die wichtigsten Fristen beim EPA. Zwar wirst Du sie spätestens zur Prüfung ohnehin im Kopf haben, aber es beruhigt ungemein sie dabei zu haben.

Solche eine Liste könnte z.B. wie folgt aussehen (keine Gewähr auf Richtigkeit):

Fristen, die nach dem Anmeldetag berechnet werden:

Anmeldegebühr 1 Monat
Recherchengebühr 1 Monat
Übersetzung der Anmeldung 2 Monate
Beglaubigte Abschrift der Voranmeldung 2 Monate
Übersetzung der Abschrift der Voranmeldung 2 Monate

Fristen, die (bei Inanspruchnahme) nach dem Prioritätstag berechnet werden:

Erfindernennung 16 Monate
Prioritätsbeleg 16 Monate
Korrektur, Hinzufügen eines Prioritätsanspruchs 16 Monate (aber max. 4 Monate ab AT)

Fristen, die nach anderen Terminen berechnet werden:

Anspruchsgebühren 1 Monat ab Einreichung des ersten Anspruchsschriftsatzes
Benennungsgebühren 6 Monate ab Veröffentlichung des Recherchenberichtes
Prüfungsgebühr 6 Monate ab Veröffentlichung des Recherchenberichtes
Erteilungsgebühr Übersetzung 4 Monate ab Zustellung der Ansprüche (Regel 71 (3))
Einspruch 9 Monate ab Bekanntmachung der Patenterteilung
Beschwerde 2 Monate nach Zustellung der Entscheidung
Beschwerdebegründung 4 Monate nach Zustellung der Entscheidung
Jahresgebühren am Ende des Monats, in dem der AT liegt
Jahresgebühren mit Zuschlag 6 Monate ab Fälligkeit
Weiterbehandlungsantrag 2 Monate nach Zustellung
Wiedereinsetzung 2 Monate nach Wegfall des Hindernisses

Viel Erfolg!

Analyse des Mandantenschreibens in Teil A

Heute will ich etwas neues versuchen: Ein Video, welches erklärt auf was man bei der Analyse des Mandantenschreibens in Teil A achten muss.

Sorry wegen dem etwas schlechten Ton: Es war mein erstes Video…

Viel Spaß damit!